Verfasst von: huangdi | 18. Februar 2009

Digitaler Zettelkasten

Eigentlich sollte ein PC dabei helfen, Ordnung in Informationen zu bringen. Mit riesigem Speicher, unzähligen Möglichkeiten Daten zu sortieren und komfortablen Suchfunktionen sollte man doch jedem Datenchaos Herr werden.

Die Realität sieht leider anders aus. Das liegt zum einen natürlich an der persönlichen Faulheit Daten ordentlich irgendwo einzupflegen, aber auch an der großen Bandbreite an überkomplexen und fummeligen Datenbanken, die den Nutzer zwar mit Funktionen erschlägt, aber meist viel Einarbeitungszeit benötigt, oder unflexible Spezialisten, die sich zwar hervorragend z.B. für die DVD-Sammlung eignen, aber bei allen anderen Themen versagen. Was also tun, um überschaubare Mengen an Informationen möglichst flott und komfortabel zu verwalten?

cuecards

Für mich hat sich die kleine, aber feine Software „Cuecards“ als eine klasse Lösung herausgestellt. Flink erstellt man damit eine Hierarchie nach seinen Vorstellungen, fügt die Informationen jedem Eintrag hinzu und kann, bei Bedarf, auch Dateien jeder Art als Anhang zu jedem Eintrag hinzufügen. Als Wissensspeicher, kleine Kundendatenbank oder auch eine Sammlung der besten Sprüche – Cuecards ist flexibel. Die Suchfunktion ist funktionell und auch die an Outlook angelehnte Optik macht das Arbeiten angenehm.

Ein paar Funktionen vermisse ich. So wäre es schön, wenn man für neue Karteikarten Formatvorlagen erstellen könnte oder Kopieren&Einfügen auch in den Karten- und Ordnernamen funktionieren würden. Und eine echte Mac-Version wäre auch etwas Feines.

Cuecards erfüllt seinen Zweck als digitaler Zettelkasten dennoch perfekt. Die Datenbank wird als kompakte, mit Microsoft Access kompatible Datei gespeichert und kann somit problemlos per Passwort geschützt auch verschickt werden. Das Schönste: Cuecards gibt es als Freeware-Version, die für Privatpersonen völlig ausreicht. Unternehmen geben 40 Euro aus und erhalten dafür eine etwas schickere Version mit für Firmen wichtigen Funktionen wie dem gleichzeitigen Zugriff mehrerer Personen im Netzwerk. Eines nimmt einem das Programm trotz allem nicht ab: das Einpflegen von Daten ist nach wie vor mühsam. Das nützliche Ergebnis entschädigt jedoch für diese Qual.

Link zum Hersteller

Advertisements
Verfasst von: huangdi | 12. Februar 2009

This Boy’s Life

Leonardo DiCaprio hat trotz seines Alters von gerademal 34 Jahren eine erstaunliche Karriere hinter sich. Vom jungen Schauspielwunder zum Teenie-Star und wieder zurück zum ernstzunehmenden Charakterdarsteller. Er hat sich in seinen bisherigen Rollen erstaunlich wenige Fehltritte geleistet, die meisten Werke, in denen er mitgewirkt hat, sind mindestens sehenswert. Nach ein paar wenig bemerkenswerten Auftritten im TV und in Horrorfilmen ist „This Boy’s Life“ der erste Meilenstein in der Karriere DiCaprios.

this-boys-life

Basierend auf den Memoiren des US-Literaturprofessors Tobias Wolff erzählt der Film die Geschichte des rebellischen Teenagers Toby (DiCaprio) in den 50er Jahren. Als die alleinstehende Mutter (Ellen Barkin) die Heirat mit dem erzkonservativen Dwight (Robert DeNiro) als letzte Chance sieht, ihren Sohn auf die rechte Bahn zu bringen, kommt es zwischen dem despotischen Witwer und Familienvater und Toby zu einem sich zuspitzenden Konflikt.

Die Grundkonstellation kann tragischer kaum sein. Aus Liebe zu ihrem Sohn geht die Mutter mit dem Tyrannen eine Beziehung ein, aus Liebe zu seiner Mutter erträgt er anfänglich die zunehmend gewalttätigeren Übergriffe des Stiefvaters. Dazu kommt, dass beide zu Beginn die Gefühle ihres Gegenübers völlig falsch interpretieren und als Zufriedenheit mit der neuen Situation werten. Erst zu spät erkennen beide, dass sie sich in der Falle befinden. Während der Sohn dagegen anrudert, findet die Mutter keine Kraft, sich aus dieser Situation wieder zu befreien.

Auch wenn Ellen Barkin eine gute Leistung abliefert, ist „This Boys Life“ eindeutig auf das Duell zwischen DiCaprio und DeNiro zugeschnitten. Beide liefern Höchstleistungen ab. Der Altstar fasziniert mit seiner abgrundtief unsympathischen, aber nicht eindimensionalen Darstellung eines egoistischen Mannes, der den Willen anderer brechen will und den das Glück anderer Menschen anekelt. Der Jungstar balanciert zwischen Hoffnung und Verzweiflung und zeigt den Sympathieträger des Films als Charakter mit Fehlern und Schwächen, der dagegen ankämpft, das Spiegelbild seines Stiefvaters zu werden.

„This Boy’s Life“ ist ein moderner Klassiker des Familiendramas, der in den zwei Stunden seiner Laufzeit nicht nur das Lebensgefühl der 50er Jahre in den USA einfängt, sondern mit seiner dichten Atmosphäre und den tiefen Charakteren eine universelle Geschichte von freiem Willen und Selbstbestimmung erzählt. Der zu unrecht etwas untergegangene Film ist absolut sehenswert.

IMDB

Verfasst von: huangdi | 6. Februar 2009

Gesundheit in Taiwan

Aus Anlass einer langsam wieder abklingenden heftigen Erkältung hier ein paar ungeordnete Gedanken zum Thema Krankheit und Gesundheitssystem in Taiwan.

Taiwan ist manchmal hart zu seinen Arbeitnehmern. Dies gilt nicht nur für die langen Arbeitszeiten und einstelligen Urlaubstage pro Jahr, sondern auch für den Krankheitsfall. So wird bei kleineren Firmen bei Abwesenheit wegen Krankheit schon von Tag 1 an entweder ein Urlaubstag gestrichen oder 50% des Grundgehalts. Ab Tag 2 bleibt nur noch Option 1 übrig bzw. unbezahlter Urlaub. Einige größere Firmen bieten Mitarbeitern einen Tag pro Monat, um krank zu sein, ohne um Einbußen zu fürchten. Allerdings ist das keine allgemeine Vorschrift.

rotkreuzg

Die Krankenversicherung ist dagegen gegenüber Deutschland erfreulich günstig. Bei einem üblichen Einstiegsgehalt bezahlt man umgerechnet rund 50 Euro in eine Einheitskrankenkasse ein. Bei Arztbesuchen muss man in der Regel weitere Gebühren zahlen, die allerdings meist auch nicht den Rahmen der Praxisgebühr in Deutschland sprengen. Allgemein macht die Gesundheitsversorgung in Taipei bisher einen guten Eindruck auf mich. Es gibt viele Krankenhäuser, die alle recht gut ausgestattet sind. Die Mitarbeiter sind nach meiner Beobachtung nicht nur zu Ausländern freundlich. Der einzige Wermutstropfen sind die zum Teil heftigen Wartezeiten (man zieht eine Nummer), die man mit einer Extragebühr aber umgehen kann. Alles läuft recht unkompliziert ab und das Zusammenspiel zwischen den Abteilungen (z.B. bei Injektionen oder Blutabnahme) waren bisher stets reibungslos.

Bei den zahlreichen in Taipei verteilten Zahnkliniken kann man zwar im Schaufenster bei der Behandlung zuschauen, aber ansonsten ist die Privatsphäre des Patienten besser gewährleistet als in China, wo ich auch schon mal unfreiwillig Zeuge bei eher unangenehmen Behandlungen in dortigen Kliniken war. Apotheken-ähnliche Geschäfte gibt es in Taipei an jeder Ecke, die grundlegenden Medikamente wie Kopfschmerztabletten oder Nasentropfen bekommt man auch in Läden von diversen Ketten, die rund um die Uhr geöffnet haben. Die Preise für westliche Medikamente sind teilweise recht happig, aber für viele gibt es lokalen, deutlich preiswerteren Ersatz.

Alles in allem hat man als Arbeitnehmer in Taiwan zwar gute Gründe nicht krank zu werden, falls es aber dann doch passiert, kann man guter Hoffnung auf eine problemlose Behandlung sein. Etwas gesundheitlich Ernsthaftes ist mir zwar in Taiwan bisher noch nicht widerfahren, aber die Erfahrungen im Bekanntenkreis geben auch keinen Grund für mehr Sorgen als in Deutschland. Krank sein in Taiwan ist also vor allem finanziell schmerzhaft.

Verfasst von: huangdi | 23. Januar 2009

Chinesisch Neujahr steht bevor

Während Weihnachten in Taiwan eher ein Randthema bleibt, rüsten sich die Inselbewohner derzeit für das am Sonntag beginnende Chinesisch Neujahr, auch als Frühlingsfest bekannt. Familien treffen zusammen, es wird unheimlich viel gegessen, getrunken, geredet und gespielt. Letzteres in Form von Mahjongg und diversen Kartenspielen und auch knallhart um Geld. Geschenke gibt es natürlich auch, nahezu ausschließlich in Bargeldform, überreicht in roten Umschlägen. Hauptgewinner sind dabei meist die Kinder, aber auch ältere Eltern, die von Ihren erwachsenen Kindern dafür entschädigt werden, dass sie solange im gleichen Haushalt mietfrei gewohnt haben oder immer noch wohnen.

chinesisch-neujahr

Die Geldgeschenke sind eine Wissenschaft für sich. Einkommen, Alter des Schenkenden und Beschenkten, Verwandtschaftsgrad spielen eine große Rolle. Die Tradition, dass das gesammelte Geld der Kinder zu deren Leidwesen von den Eltern möglichst gleichwertig wieder unter den Kindern von Verwandten und Freunden verteilt wird, ist eher rückläufig. Früher waren die Geldgeschenke anscheinend mehr oder weniger ein kompliziertes Nullsummenspiel. Auch wenn man anfangs denken mag, dass Geldgeschenke unkomplizierter sind als unsere überwiegend gekauften Geschenke, scheint der „Handel“ mit den roten Umschlägen ebenfalls eine Wissenschaft für sich zu sein.

Bisher habe ich nur einmal den wichtigsten Abend von Chinesisch Neujahr in einer chinesischen Familie erleben können. Das ist immerhin schon 8 Jahre her, in Hangzhou. Damals wurde ich von einer Bekannten dazu eingeladen. Neben unglaublich viel Essen, unglaublich viel Fernsehen und den von mir etwas verängstigten älteren Familienmitgliedern habe ich noch die Prozedur des Überreichens in Form der Umschläge gut in Erinnerung. Schon die Jüngsten bedankten sich überaus routiniert, um danach dezent das Geld zu zählen und zu vergleichen. Am Ende saßen die Beschenkten dann glücklich und zufrieden mit Ihrer Beute und diskutierten schon die zukünftigen Anschaffungen, bevor das Feuerwerk um Mitternacht alle Gespräche unmöglich machte. Das Feuerwerk war so heftig, dass bei der Rückfahrt mit dem Taxi zwei Stunden danach immer noch die Nebelscheinwerfer angemacht werden mussten, weil die gesamte Stadt in Rauch gehüllt war.

In Tapei geht man sicher etwas sparsamer mit dem Feuerwerk um, auch wenn Kinder und Jugendliche schon seit zwei Wochen mit dem Üben angefangen haben. Aufwändiges Essen und Knabbereien wird es aber auch hier in Hülle und Fülle geben. Die meisten Unternehmen, Büros und Behörden bleiben kommende Woche geschlossen, während sich die Läden häufig nur ein paar Stunden Auszeit nehmen, um den Konsumrausch in Folge der roten Umschläge ausnutzen zu können.

Verfasst von: huangdi | 16. Januar 2009

Ein kleiner Jahresrückblick – Teil 3: Filme

Der dritte und abschließende Teil meines kleines Jahresüberblicks wird einen kleinen Spaziergang durch die Filme des Jahres 2008 unternehmen. Wie in den beiden Teilen zuvor ist da nicht unbedingt das Herstellungsjahr bestimmend, sondern schlicht und einfach mein persönlicher Film-Fahrplan des vergangenen Jahres. Gerade bei Filmen macht sich bei mir häufig ein rapider Gedächtnisschwund bemerkbar, so dass die benannten Film in der Mehrzahl erst in den letzten zwei, drei Monaten von mir gesehen wurden. Vielleicht ist es besser so, denn auch so wird dieser Beitrag den Rahmen der bisherigen bei weitem sprengen.

Belehrendes

Im Frühjahr ergab sich für mich im Zuge eines Messeaufenthalts in München wieder einmal die Gelegenheit, ein deutsches Kino zu besuchen. Die Wahl des Abends fiel auf „Die Welle„. Der Film krankt ebenso wie die Buchvorlage an der fehlenden Glaubwürdigkeit. Die rapide Abfolge der Ereignisse, der Charakterwandel bzw. deren Zuspitzung – das alles konnte mich auch in der modernisierten Fassung des Stoffes nicht überzeugen. Dazu kamen gestelzte Dialoge, eine lahme Inszenierung und vor allem wieder einmal viel zu alte Darsteller für die Jugendlichen. Seit „Der Feuerzangenbowle“ krankt der deutsche Film schon daran. Aber das ist, ebenso wie der Film, nebensächlich. Zumindest die Reaktionen der vorwiegend jugendlichen Zuschauer im Münchner Kino waren positiv und schon während des Abspannst gab es einige beherzte Kontroversen.

Erheiterndes

Komödien sind ein eisglattes Terrain, die meisten rutschen aus, aber zumindest die Eisprinzen von „Blades of Glory“ hielt es während der Laufzeit auf den Beinen. Anspruchslos, aber durchaus erheiternd. „Don’t Mess with the Zohan“ sprengt dagegen jede Messlatte in Sachen Anspruchslosigkeit und den Geduldsfaden eines jeden Zuschauers bei Verstand. Obszön, taktlos, unlustig. Meilenweit davon entfernt, in gediegener Durchschnittlichkeit, befindet sich dagegen die Agentenkomödie „Get Smart„, die mit einem gut aufgelegten Schauspielensemble und einigen Lachern die Zeit nicht allzu lang erscheinen lässt. In ähnlichen Regionen bewegt sich auch „Tropic Thunder“, das sein Potential mit zuviel Geschwätzigkeit und zu vielen platten Szenen etwas verspielt. Trotzdem werden einige skurrile Begebenheiten des unfreiwilligen Dschungeltrips sicher in Erinnerung bleiben. Einsame Spitze an der Komödienfront war 2008 für mich „Burn After Reading„. Eine glaubhaft-absurde Geschichte, eine Kettenreaktion par excellence, Topstars in Spiellaune und der wohl witzigste Abschlussbericht der Filmgeschichte.

Blutiges

Nicht nur im Titel des hochgelobten, bildgewaltigen Epos „There Will Be Blood“ geht es blutig zu. Schonungslos wird die Psyche eines skrupellosen Kapitalisten seziert. Das ist für den Zuschauer manchmal anstrengend, aber beschert zumindest unvergessliche Filmmomente. Unvergesslich bleibt sicher auch der charismatische und eiskalte Berufskiller von „No Country for Old Men“. Die Romanverfilmung besticht mit schönen Bildern und guten Schauspielern, konnte mich aber inhaltlich nicht über die lange Laufzeit mitreißen. Wesentlich kürzer und sicher am blutigsten geht Ramboauf seinen vierten Streifzug mit jeder Menge „Kollateral-Schäden. Weniger schlimm als angenommen, aber auch nicht gerade subtil passt Silvester Stallones Rückkehr in den Dschungel zu den anderen Vertretern in dieser Sparte wie Bambi zu Freddy Krueger.

Dramatisches

Dramatisch war 2008 in so mancher Hinsicht, aber auch in Sachen Film gab es einige sehenswerte Werke. An vorderster Front ist da sicherlich „Into The Wild“ zu nennen, ein mitreißendes Aussteigerdrama von Sean Penn. Der Film ging mir sehr nahe, dazu kommt der tolle Soundtrack von Eddie Vedder. Deutlich stiller, aber nicht weniger aufwühlend geht Tommy Lee Jones in „In the Valley of Elah“ auf die Suche nach seinem verlorenen Sohn. Ein äußerst subtiler Antikriegsfilm mit fantastischen Schauspielern, der viele Problemthemen aufgreift, ohne dass es aufgesetzt wirkt. Sehr klassisch gibt sich dagegen das Ehedrama „The Painted Veil„, das in einem unverbrauchten Szenario gekonnt zwischen unterkühlt und leidenschaftlich wechselt. Ganz großes Kino. Thematisch gar nicht so weit davon entfernt ist „The Children of Huang Shi„, die Verfilmung einer wahren Begebenheit im China der 30’er Jahre. Leider vergeigt der Film die sehr reizvolle Vorlage und bietet unpassenderweise noch eine gewaltige Brise unfreiwilligen Humors. Ein wunderschönes Märchen tischt dagegen „August Rush“ auf. Die Geschichte über einen Waisenjunge auf der Suche nach seinen Eltern ist zwar kitschig, aber so souverän inszeniert und gespielt, dass am Ende eher selten Augen trocken bleiben.

Fantastisches

Comic-Helden im Kino boomen. Und das durchaus zurecht. Wo sonst kann man so ausführlich die neueste Tricktechnik präsentieren, wo sonst die Soundanlage so herzlich aufdrehen. „Iron Man“ bietet einen charismatischen Titelhelden, viel Humor und eine nette Geschichte. Die Neuauflage von „Hulk“ steht in Sachen Humor etwas zurück, lässt es dafür im finalen Duell so richtig wuchtig krachen. Der von mir spät nachgeholte „Spiderman 3“ verzettelt sich etwas in zu vielen Freunden und Gegnern mit zu vielen persönlichen Tragödien, ist aber immer noch äußerst unterhaltsam. Der Bösewicht des Jahres ist sicher der abgrundtief anarchische Joker aus „The Dark Knght„, einem tollen Kinoereignis mit nur kleinen Schwächen, unter anderem einem etwas blassen Batman. Völlig ohne Comicvorlage kommt der Held „Hancock“ aus, der am unterhaltsamsten ist, so lange er noch nicht gelernt hat sich zu benehmen. Der Rest des Films fällt zwar etwas ab, aber das Popcorn noch lange nicht vor Entsetzen aus der Tüte. Entsetzlich war dagegen der Fantasyfilm „The Seeker„, was vor allem am schauspielerisch völlig überforderten Titelhelden, einem kleinen Jungen, liegt. Aber auch die Handlung des Films wird zum Ende hin immer hanebüchener. Da bleibe ich doch lieber bei Comicverfilmungen.

Spannendes

Meine Flopkategorie dieses Jahres. Geleckte Blender ohne jede Seele wie „Deception„, „Wanted“ oder „21“ waren eine echte Pein, aber selbst eher hausgemachte Spannungskost wie „The Contract“ war einfach nur schrecklich. All diesen Filmen gemein sind recht unmotivierte Schauspielspitzenkräfte wie Kevin Spacey, Morgan Freeman (gleich zweimal vertreten) oder John Cusack. Wie man geschickt und glaubwürdig Spannung aufbaut, zweigt „The House of Sand and Fog„. Ohne Schwarz-Weiß-Malerei nimmt ein menschliches Drama seinen Lauf. Packend, berührend, unvergesslich. Genau die gleichen Attribute treffen auch auf „The Brave One„, in der Jodie Foster die Justiz in die eigene Hand nimmt. Das ist natürlich immer eine Gratwanderung, aber der Film nimmt seine Thematik ernst. Deutlich grobschlächtiger ist da schon in „Death Sentence„, der zwar packende Action bietet, aber auf der Ebene des menschlichen Dramas überhaupt nicht funktioniert.

Düsteres

Düster war schon etwas die Erinnerung an „I Know My First Name Is Steven„, den ich unbedingt mal wieder sehen wollte, nachdem er mich vor vielen Jahren im Fernsehen recht beeindruckt hatte. Nun, wie die Erinnerung trügen kann. Miserable Schauspielleistungen, eine altbackene TV-Inszenierung und zum Teil wirklich üble Dialoge. Dieses Wiedersehen hätte ich mir und dem Film ersparen sollen. Ähnlich zäh verlief die Sichtung von „Zodiac„, dem hochgelobten Zeitporträt von David Fincher um einen der berühmtesten Serienkiller der US-Geschichte. Detailtreue, die Leistung aller Akteure und auch die Bildsprache sind über alle Zweifel erhaben. Doch zwei, drei packende Szenen in einem Film mit solch langer Laufzeit sind einfach zu wenig, so dass ich den Film trotz aller Vorschusslorbeeren einfach nur langweilig fand. Sehr positiv überrascht war ich dagegen von „Gone Baby Gone„, dem Kinodebüt von Ben Affleck. Ein äußerst düsterer Ausflug in menschliche Abgründe, der recht konventionell beginnt, aber zum Ende hin immer mehr moralische Fragen aufwirft, ohne sie plakativ zu beantworten. Casey Affleck, der mir im elegischen „The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford“ schon sehr gut gefallen hat, gibt in der Rolle des privaten Ermittlers eine fantastische Leistung ab.

Putziges

Eine Menge Computeranimation hat es dieses Jahr in mein Wohnzimmer bzw. in den von mir besetzten Kinosaal geschafft. Während „Ratatouille“ meine Erwartungen mit unglaublich viel Charme und Einfallsreichtum vollkommen erfüllen konnte, ist das Nachfolgewerk „Wall E“ in meinen Augen etwas zu lang geworden. Nach dem äußerst atmosphärischen Beginn geriet die Geschichte zunehmend ins Schlingern. Technisch haben natürlich beide Filme von Pixar in allen Belangen überzeugt. Ganze zwei Klassen drunter findet sich da „Madagascar 2„, sowohl in Sachen Detailreichtum als auch in Sachen Orginalität und Humor. Meine Überraschung des Jahres war dagegen „Kongfu Panda„. Sehr flott, sehr liebenswürdig und auch künstlerisch zieht der pummelige Panda eine ganz große Show ab, auch wenn die Nebenfiguren etwas darunter leiden.

Abenteuerliches

Eine Menge neuer Abenteuerfilme hat uns das Jahr 2008 beschert. Während „The Mummy: Tomb of the Dragon Emperor“ den schon schwächeren zweiten Teil der Mumien-Trilogie deutlich unterbot, enttäuschte vor allem „Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull“ in nahezu allen Belangen. Natürlich kann man zwei Stunden weniger unterhaltsam verbringen, aber wenn ich an die vergnügliche Ur-Trilogie des Peitschen schwingenden Archäologie-Professors denke, dann ist das schon ein Zwangsabstieg in die Amateurklasse. Dort würde sich das Werk dann auch in geselliger Runde mit dem einfallslos-infantilen Asien-Abenteuer „The Forbidden Kingdom“ und dem steifen, überraschungsfreien „The Chronicles of Narnia: Prince Caspian“ treffen können. Kein guter Jahrgang für Abenteurer.

Lebendiges

Um am Ende nicht ganz den Flops das Feld zu überlassen und den Kreis zum Anfang des Rückblicks zu schließen, hier noch ein zweiter deutscher Film, diesmal allerdings auf DVD in Taiwan gesehen. „Sommer vorm Balkon“ ist ein kleiner Film, dessen unbeschwerte Inszenierung nicht über die teilweise ernsten Themen hinwegtäuschen sollte, die die Handlung bestimmen. Schöner leiser Humor, menschliche Tragik und eine Menge Berlin-Atmosphäre machen viel Freude. Meinen taiwanesischen Mitsehern blieb ein Großteil dieses Charmes (deutsche Schlager, Neubausiedlungs-Einheitsmöbel, Weiterbildungskurse des Arbeitsamtes) leider verborgen und auch das offene Ende sorgte für Missmut. Ich hatte aber meinen Spaß, so wie mit den meisten Filmen des Jahres 2008. Das Hobby bleibt spannend und auch 2009 hoffe ich auf viele vergnügte Filmstunden.

Verfasst von: huangdi | 15. Januar 2009

Kälte in Taipei

Der Winter in Deutschland – so kalt wie lange nicht mehr. Wenn Bekannte aus Deutschland sich über die Temperatur in Taipei erkundigen und ich ihnen mit einer zweistelligen Zahl im Plusbereich antworte, dann belächeln viele meine Klagen, dass es hier kalt ist.

kalt_so

Kälte in Taipei ist unangenehm. Sie ist feucht und sie ist überall. Heizungen sind hier unüblich. Wenn 10 Grad herrschen, dann ist es in der Wohnung oder im Büro nahezu genauso kalt wie draußen. Wärmende Klimanlagen oder Heizer sind leider kein Ersatz für eine klassische Heizung oder einen Ofen. Man wärmt selten richtig auf, so dass ein fröstelndes Gefühl ein Dauerzustand ist. Auf Arbeit hat man teilweise das Gefühl, dass die Hand auf der Maus anfriert.

Was Trost spendet, ist, dass der Winter in Taiwan recht kurz ist. Kürzlich fragte ich einen Kollegen, warum er denn immer mit Hemd und Jacke am Arbeitsplatz sitzt und keinen Pullover anziehen würde. Er antwortete, er wäre nicht im Besitz eines Pullovers, das würde sich einfach nicht lohnen. Auf das es also bald wieder heiß in Taipei werde! Dann kann man getrost auch wieder die Fernbedienung für die überall installierten Klimanlagen entstauben. Morgen erscheint dann Teil 3 meines kleinen Jahresrückblicks mit dem Schwerpunkt Filme. Der Brocken will einfach nicht fertig werden.

Verfasst von: huangdi | 8. Januar 2009

Ein kleiner Jahresrückblick – Teil 2: Spiele

2008 hat bei mir Schach ein kleines Revival erlebt, genauso wie Monopoly in einer Version mit Kreditkarten mit latent lästigem Lesegerät. Aber es soll im zweiten Teil des Jahresrückblicks nicht um Brettspiele, sondern um die digitale Variante des Spielvergnügens gehen. Neben einem knapp drei Jahre alten DS Lite, einer zweijährigen PS2 und einer kaum jüngeren PS3 hat sich Mitte letzten Jahres auch eine schmucke PSP in der Lite-Variante in meinen Fuhrpark geschmuggelt. Trotz dieser Vielfalt wird die Zeit zum Spielen irgendwie immer weniger, was dazu führt, dass man viele Spiele zwar anfängt, die Perspektive, diese irgendwann jedoch zu beenden, aber in weite Ferne rückt.

Spiele

Mac Mini inkl. Browserspiele

Huch, der ist eigentlich nicht zum Spielen gedacht. Trotzdem sei an dieser Stelle auf das Freeware-Strategiespiel „Battle for Wesnoth“ hingewiesen, dass es für alle möglichen Plattformen gibt. Wirklich feine Fantasy-Rundenstrategie mit einer Menge verfügbarer netter Kampagnen. Die Spielregeln sind recht einfach, aber das Aufleveln der Einheiten motiviert und das Programm wird sehr fleißig gepflegt. Viele Szenarien sind recht kurz, was für Zwischendurch auch mal eine kleine Schlacht innerhalb von 20 Minuten ermöglicht. Für die Mittagspause im Büro habe ich den Online-Fußballmanager „Hattrick“ für mich entdeckt. Zwar erreicht dieser bei weitem nicht die Optionsvielfalt seiner Offline-Vertreter, bietet dafür aber eine nette Community und die Befriedigung, Gegenspieler aus Fleisch und Blut mit seiner Mannschaft zu besiegen. Ebenfalls für eine „verlängerte“ Mittagspause geeignet ist das Online-Rollenspiel Das Schicksal von Nuya, das recht einsteigerfreundlich innerhalb des Browsers ein textbasiertes Fantasyabenteuer inszeniert. Oftmals recht witzig, manchmal überaus gemein, aber immer wieder für einige unterhaltsame Minuten am Tag gut.

Nintendo DS Lite

Aus der Spielelawine für dieses kleine Schmuckkästchen die richtigen herauszufischen, ist gar nicht so einfach. Besonders lange haben mich im letzten Jahr die beiden Knobelspiele „Picross“ und Puzzle Quest gefesselt, die beide ideale Spiele für Zwischendurch darstellen. Im Mehrspielermodus ist nach wie vor „Mario Kart DS“ unschlagbar. Wenn man sich nicht gerade mit abgezockten Vollprofis duelliert, bleiben die Rennen immer eng und durch die originellen Extras immer spannend. Auch grafisch ist dieser frühe Titel immer noch sehr fein. Einige Titel haben mich 2008 mit Stylus-Maleinlagen oder -Wischereien ziemlich genervt, darunter auch das durchaus vielversprechende Rollenspiel „The World Ends With You“. Ich hoffe allerdings, dass derartiges Spieldesign nicht bestimmend für Nintendos Verkaufsrenner wird.

PSP Slim

Mit Stylus-Spielereien hat die PSP mangels Touchscreen dankenswerterweise nichts am Hut. Die oft für ihren Spielemangel kritisierte portable Konsole hat sich seit dem Kauf sicher die meisten Spielestunden bei mir gekrallt. Schuld daran waren die beiden Strategie-Rollenspiele Jeanne D’Arc und „Final Fantasy Tactics: The War of the Lions“. Während ersteres einsteigerfreundlich, sehr flott und grafisch top auftritt und von mir auch flugs durchgespielt wurde, ist letzteres immer noch in der Mache. Ziemlich komplex, mit unglaublichem Umfang, aber auch etwas sehr konservativ im Spieldesign und vor allem technisch, abseits der atemberaubenden Zwischensequenzen, etwas angestaubt. Trotzdem will ich auch diesen Brocken irgendwann durchspielen. Gelungen ist mir das indes mit „Final Fantasy VII – Crisis Core“ einem flotten Actionrollenspiel, das in Sachen Präsentation sicher einzigartig auf dem Markt der Handheld-Spiele ist. Die Geschichte erzählt die Geschehnisse im Vorfeld des Klassikers „Final Fantasy VII“ und bietet lebendige, tiefe Charaktere, jede Menge Pathos und Melancholie, aber durchaus auch witzige Randnotizen. Das Kampfsystem ist etwas eintönig, aber das merkt man im Strudel der Ereignisse kaum.

Designmäßig ist die PSP in der 2000er-Fassung weniger klobig als das Ursprungsmodell und in Sachen Grafik und Sound dem DS in allen Belangen überlegen. Mal schauen, ob auch künftig weitere hochklassige Spiele für Sonys Wegbegleiter erscheinen.

PS2

Die PS2 als meistverkaufte Konsole ist sicher mindestens im Herbst ihres Lebenszyklus, bietet aber gerade für Rollenspielfreunde wie mich eine unbeschreiblich große Auswahl von japanischen Exemplaren dieses Genres. Längere Zeit gespielt habe ich das unkonventionelle „Persona 3“, indem man den Alltag eines Teenagers mit nächtlichen Touren in Dungeons kombiniert. Viele skurrile, originelle Ideen und ein durchaus stimmiges Spielkonzept haben mich lange in der Spielwelt gefangen gehalten, aber aufgrund von Zeitmangel habe ich dann irgendwann den Faden des recht komplexen Spiels verloren. Etwas weiter kam ich mit „Dragon Quest VIII“, einem sehr klassischen Vertreter des Rollenspielgenres. Die Geschichte bietet kaum Neues, ist aber liebevoll erzählt. Das rundenbasierte Kampfsystem motiviert nach wie vor, nur leider habe ich dann beim Endkampf zu oft die Segel gestreckt. Vielleicht hole ich ja noch irgendwann zum finalen Schlag aus. Enttäuscht hat mich dagegen etwas „Final Fantasy X“, nachdem ich den zwölften Teil 2007 mit viel Begeisterung durchgespielt habe. Im von Fans sehr geliebten zehnten Teil nervten mich allerdings in zunehmendem Maße die vielen Zufallskämpfe, die zum Ende hin auch noch ziemlich unfair, ja geradezu gemein wurden. Wenn ein Wald- und Wiesen-Gegner mit einem blöden Zauberspruch die gesamte Truppe hinwegfegt und der letzte Speicherpunkt recht weit entfernt liegt, geht dann auch bei mir die Motivation zum Weiterspielen irgendwann vollends flöten.

PS3

Auch das dritte Spielgerät aus dem Hause Sony wurde 2008 mit einigen Spielen gefüttert. Der Vorteil an den Spielen der sogenannten Next-Generation-Konsolen ist eine zwar immer spektakulärere Inszenierung, aber auch eine deutlich kürzere Spieldauer. Und das sehe ich wirklich positiv, da ein Spiel erst so richtig zufrieden im Regal gelegt werden kann, wenn es durchgespielt wurde. Schnell durch war ich mit „Ratchet & Clank: Tools of Destruction“ inkl. seines Addons Quest for Booty. Das Spielgefühl ist herrlich griffig und flott, der Humor, besonders im Hauptspiel, hinreißend. Dazu kommen einfallsreiche, aufrüstbare Waffen und ein angenehmer Schwierigkeitsgrad, der auch mich das Finale beider Spiele überstehen ließ. Ein absoluter Ausnahmetitel ist auch „Uncharted: Drakes Fortune“, ein Action-Abenteuer der besonders aufwändig inszenierten Art. Die Grafik ist umwerfend, das Spiel unglaublich unterhaltsam und die Geschichte hält zumindest mit Hollywood-B-Filmchen spielend mit. Auch hier zeigte sich der Schwierigkeitsgrad gnädig gegenüber mir. Etwas herausfordernder war dafür „Resistance: Fall of Man“, ein sehr klassischer 3d-Shooter. Grafisch wenig spektakulär, aber sehr sauber, dafür aber mit einem interessanten Hintergrund (ein alternativer Verlauf nach dem zweiten Weltkrieg, in Russland braut sich was zusammen) und wunderbaren Waffen. Auch zu zweit im Coop macht der historische Streifzug an einer PS3 unglaublich viel Spaß.

Ein zünftiges Fußballspiel darf natürlich auf einer Konsole nicht finden. Als ehemals begeisterter Pro Evolution Soccer-Spieler (Teil 5 und 6) ist 2008 für mich erstmals „Fifa 09“ besser. Zwar fehlt es  im Kandidaten von Electronic Arts immer noch etwas an Abwechslung im Spielgeschehen, dafür ist die Steuerung deutlich direkter als noch im Vorjahr. Die Grafik ist gelungen, die Atmosphäre durch das dicke Lizenzpaket gesichert. Fehlt nur noch ein regelmäßiger lokaler Mitspieler, denn zu zweit vorm TV macht ein Fußballspiel immer noch bei weitem am meisten Spaß. In Sachen Rennspiel enttäuschte mich „Gran Turismo 5 Prologue“ etwas mit seiner Sterilität, wobei die Grafik natürlich fantastisch ist. Genauso wenig hineingefuchst habe ich mich bisher in „GTA IV“, wofür mir einfach bisher die Zeit fehlte. Die Spielwelt ist beim ersten Anspielen natürlich fantastisch, auch das Spielgefühl aufgrund der stimmigen Geschichte nicht schlecht. Bisher konnte ich noch kein GTA durchspielen, mal schauen, ob es diesmal irgendwann was wird.

Persönlicher Rekord in Sachen kurzer Spielzeit 2008 war für mich „Call of Duty 4“. Die packende Inszenierung und die dichte Atmosphäre machen das eigentlich eintönige Spielprinzip schnell vergessen und der gelungene Multiplayer-Teil hat sogar mich für ein paar Ründchen ins Playstation Network gelockt. Das perfekte Spiel für Menschen mit nicht allzuviel Zeit. Zur gleichen Kategorie gehört für mich „Colin McRae: Dirt“, das immer wieder für einige Runden packend und grafisch sehr gefällig unterhält, aber leider auf der PS3 keine Rumble-Unterstützung bietet. Gerade die hügeligen Schotterpisten dieses Rennspiels wären dafür wie geschaffen. Hügelig ist es auch im fröhlich unterhaltsamen „Everybody’s Golf – World Tour“, das unglaublich liebevoll und spaßig den Rasensport Golf umsetzt. Ausgestattet mit Knuddelfiguren, Rollenspielelementen und einem ausgezeichneten Online-Modus versteht es der Sony-Titel sehr entspannt, aber zugleich auch ziemlich fordernd zu unterhalten.

Alles in allem war 2008 durchaus ein gelungenes Spielejahr. Als ehemaliger PC-Spieler genieße ich mittlerweile sehr das bequeme Spielen auf dem Sofa vorm Fernseher. Die Zeit zum Spielen wird 2009 aus allerlei Gründen sicher deutlich weniger, aber ich hoffe trotzdem, auch in diesem Jahr auf die eine oder andere unterhaltsame Stunde vor einer der Konsolen.

Verfasst von: huangdi | 6. Januar 2009

Ein kleiner Jahresrückblick – Teil 1: Musik

Kaum ist man ins neue Jahr getaumelt, schaut man auch schon wieder zurück auf das Jahr 2008. In persönlicher Hinsicht sicher ein unvergessliches Jahr mit Höhen und Tiefen, aber das soll ganz sicher nicht Thema dieses Eintrags sein. Vielmehr möchte ich völlig entspannt etwas durch die persönlichen medialen Höhe- und Tiefpunkte 2008 spazieren und vielleicht den einen oder anderen Leser auf diese Reise mitnehmen.

Musik

Durch den täglichen etwas längeren Arbeitsweg, der stets per pedes oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bestritten wird, habe ich im vergangenen Jahr wohl soviel Musik gehört wie nie zuvor. Zwar hat sich mein musikalischer Horizont dadurch nicht unbedingt unglaublich erweitert, aber ein paar neue Scheiben haben es dann doch auf meinen Ipod geschafft. Am Anfang des Jahres hat Radiohead den Ton angegeben. Mit „In Rainbows“ haben die Jungs ein erstaunlich zugängliches Werk vorgelegt, dass trotz aller Ecken und Kanten ein paar Lieder beherbergt, die schon nach dem zweiten Hören im Ohr sitzen. Ein fantastisches Werk einer brillanten Band, deren CDs bis auf das Debütalbum allesamt immer wieder in der Wiedergabeliste landen.

Ein ebenso großer Dauerbrenner ist Eddie Vedder, meist in Form seiner Band Pearl Jam. Für den klasse Film „Into the Wild“ hat Vedder nun ein Soloalbum vorgelegt, dass trotz oder gerade wegen seiner Kürze unglaublich intensiv und atmosphärisch ist. Tolle Songs, sparsam instrumentiert, aber mit dieser Stimme braucht man auch kein Orchester. Eine weniger tiefe, aber ebenso markante Stimme hat Michael Stipe, der mit seinen beiden Wegbestreitern in Form von R.E.M. auch ein neues Werk vorgelegt hat. „Accelerate“ heißt es, und die drei älteren Herren geben in der Tat durchaus Gas, um die etwas schwerfälligen Vorgängeralben vergessen zu machen. Das gelingt souverän, wobei die Halbwertzeit dieses Albums etwas kurz ist. Einige der schnellen Nummern nerven mittlerweile etwas, aber das ist vielleicht auch nur temporär der Fall.

Schon etwas älter, aber für mich eine Neuentdeckung ist das Album „Plans“ von Death Cab for Cutie. Melancholischer Pop-Rock, überaus abwechslungsreich und intelligent. Zwar kann ich mich mit der Stimme vom Leadsinger immer noch nicht so ganz anfreunden, aber die ausgefeilten Songstrukturen und die klasse Melodien machen das locker wieder wett. „Plans“ wird sicher nicht das letze Album sein, dass ich von dieser Band höre. Bei Institute mit ihrem Album „Distort Yourself“ kann das durchaus der Fall sein. Ob die Band des Ex-Bush-Sängers Gavin Rossdale ein Nachfolgewerk präsentiert, steht in den Sternen. Der Unterschied zu Bush ist ohnehin nicht allzu groß. Rau, grob, aber immer wieder mit Refrains zum Dahinschmelzen. Dazu eine einzigartige Stimme und es entsteht ein Album, dass nicht unbedingt einfallsreich und überaus intelligent ist, aber mitreißend und je nach Stimmung fantastisch.

Snow Patrol hat mit „A Hundred Million Suns“ erstaunlich fix nach „Eyes Open“ ein neues Album herausgebracht. Dementsprechend werden alle enttäuscht, die völlig neue Facetten in dieser Band entdecken wollen. Nach den ersten Durchläufen war ich auch etwas ernüchtert, da sich doch sehr vieles sehr ähnlich anhört. Nach einer Weile geht aber – bis auf ein, zwei Ausnahmen – jeder Titel sofort ins Ohr. Die meisten Stücke sind sehr flott, voller Energie. Erstaunlicherweise ruht das Album in der Mitte mit zwei Balladen in sich. Eine davon, „Set Down Your Glass“, ist für mich das schönste Lied des Jahres. Mal schauen, ob sich die Jungs von Snow Patrol mit dem nächsten Album etwas Neues ausdenken. Falls nicht, ist das auch nur halb so schlimm.

Am Ende ist leider die Band Elbow, die mit ihrem letzten Album „The Seldom Seen Kid“ aber nochmal alles von ihrem Können zeigen. Die Stimme des Sängers Guy Garvey ist grandios, eine Mischung aus Seal und Eddie Vedder, gepaart mit unglaublich hohem Zigarettenkonsum. Die meisten Lieder sind tieftraurig, aber immer pompös inszeniert. Teilweise übertreiben es einige Stücke mit dem Bombast. Aber immer, wenn sich Elbow allein auf Stimme und Melodie besinnt, kommen dabei fantastische Songs wie „Friend Of Ours“ heraus. Trotz aller Ankündigungen hoffe ich auf Nachschlag von Elbow.

Natürlich gab es auch 2008 für mich milde Enttäuschungen in musikalischer Hinsicht. Coldplay bestätigt mit „Viva La Vida“ für mich persönlich den musikalischen Abstieg, der sich mit „X&Y“ schon zart andeutete. Alles klingt gewollt, aus den Geräuschen und Effekten ergeben sich für mich keine schönen Melodien und statt wie geplant Musik mit Ecken und Kanten zu bieten, inszeniert sich Coldplay einfach nur sperrig. Zumindest habe ich erst dieses Jahr mit deren Debütalbum „Parachutes“ ein zeitloses Meisterwerk auf den Ipod gehievt. Kein Vergleich. Ebenso abwärts geht es mit Travis. „The Boy with No Name“ hat mich bis auf zwei Songs einfach nur genervt. Fast gelangweilt präsentiert sich hier eine Band, die mit ihrem zweiten Album („The Man Who“) ehemals so brillant war. Ein neues Album von Travis steht ja in Rekordzeit derzeit schon wieder in den Läden, aber ob sie da das Ruder rumreißen können?

Insgesamt also durchaus ein Jahr mit einigen Entdeckungen, zu denen auch die Bands Saybia (sehr melancholisch, manchmal schon fast pathetisch) und The Weakterthans (noch zu neu, um sie zu bewerten) gehören.

Als Abschluss noch meine derzeitige Top5 der meistgespielten Songs auf meinem Ipod:

1. Jonathan Rhys Meyers: „This Time“ (vom Soundtrack des Films „August Rush“)
2. Eddie Vedder: „No Ceiling“ (vom Soundtrack des Films „Into The Wild“)
3. Radiohead: „I Will“ (vom Album „Hail To The Thief“)
4. Lifehouse: „Learn You Inside Out“ (vom tollen Album „Who We Are“)
5. Eddie Vedder: „Tuolumne“ (vom Soundtrack des Films „Into The Wild“)

Verfasst von: huangdi | 31. Dezember 2008

The Children of Huang Shi

Welch dankbare Vorlage nach einer wahren Begebenheit für einen dramatischen Film: Der englische Reporter George Hogg startet 1937 im von Japanern besetzten China von Shanghai aus nach Nanjing, um die gerüchteweisen Gräueltaten der Japaner mit seiner Kamera zu dokumentieren. Nach seiner Ankunft dort läuft vieles schief und seine Begleiter werden von japanischen Soldaten hingerichtet. Nur durch viel Glück und mit der Hilfe kommunistischer Widerstandskämpfer entkommt Hogg seiner Hinrichtung. Es verschlägt ihn in das abgelegene Kaff Huangshi, wo er sich zunächst eher widerwillig um die Betreuung einer Gruppe von Waisenjungen kümmert. Da die Jungen Gefahr laufen, entweder in die Hände der Japaner oder der demoralisierten KMT-Truppen zu geraten, bricht Hogg in Begleitung einer australischen Krankenschwester und eines kommunistischen Kämpfers zu einem langen Marsch in den sicheren, da menschenleeren Westen Chinas auf.

Ein für Hollywood-Filme unverbrauchtes Szenario, mit Jonathan Rhys Meyers, Yun-Fat Chow und Michelle Yeoh recht prominente Schaupieler und ein sehr erfahrener, routinierter Regisseur, der mit „Under Fire“ vor langer Zeit schon einmal einen guten Reporterfilm, damals in Nicaragua spielend, gedreht hat. Doch trotz all dieser vielversprechenden Zutaten will der Funke bei diesem Film einfach nicht auf den Zuschauer überspringen.

children-of-huang-shi

Die Inszenierung wirkt sprunghaft. Trotz der übersichtlichen Handlung schafft es der Film immer wieder, die Geschichte lückenhaft wirken zu lassen. Unvermittelte Schnitte und plötzliche Ortswechsel lassen den Film keinen Rhythmus finden. Die Kriegsszenen, die einen so bitteren Kontrast zur malerischen Landschaft im Film schaffen könnten, wirken zwar nicht billig, aber unbeholfen inszeniert. Zwar sind alle Protagonisten charismatisch, aber besonders Jonathan Rhys Meyers stößt bei so einigen dramatischen Szenen anscheinend an die Grenzen seines schauspielerischen Talents. Deutlich eher verzeihen kann man da, dass auch die Darsteller der chinesischen Kinder ab und an allzu übertriebene Mimik an den Tag legen.

Noch ein Detail, das bei Chinesisch sprechenden Zuschauern sicher so einige Belustigung hervorrufen wird. Anscheinend hat man dem armen Jonathan Rhys Meyers vor dem Film nur einen zweistündigen Crashkurs in chinesischer Aussprache gegönnt. Obwohl er im Film eine lange Zeit in China verbringt, sind seine Bemühungen, Mandarin über seine Lippen zu bringen, absolut unverständlich. Man spürt quasi, wie sich die Kinderdarsteller beim Dreh dieser Szenen ein Lachen verkneifen und ein Verständnis des Kauderwelschs vortäuschen müssen. Was auch auffällt, ist, dass blonde oder blauäugige Ausländer im Jahr 1937 in China anscheinend selbst in abgelegenen Gegenden deutlich weniger Aufmerksamkeit und Blicke der einheimischen Bevölkerung erregen als bei einer U-Bahn-Fahrt im heutigen Taipei. Ich habe da auf dem Land in China vor wenigen Jahren ganz andere Erfahrungen gemacht.

Nach dem Abspann des Films ist man seltsam unbefriedigt. Zwar war man Zeuge einer einzigartigen Begebenheit in der neueren Geschichte Chinas, aber der Film fängt nichts von der komplexen Situation dieser Zeit und von der Magie dieser Geschehnisse ein. Am gelungensten waren noch die Interview-Aussagen der Zeitzeugen, die am Ende der Geschichte eingeblendet werden und die Lust auf einen umfangreicheren Dokumentarfilm zum Thema machen. Vom Film selbst bleibt wohl nur die unfreiwillige Komik, der Ärger über die verpassten Chancen und die lustlose Inszenierung im Gedächtnis hängen. Schade, schade.

IMDB

Verfasst von: huangdi | 29. Dezember 2008

In the Valley of Elah

Tommy Lee Jones ist als Schauspieler erst im Alter über 40 so richtig auf Touren gekommen. Unvergesslich als Bösewicht, unbarmherziger Verfolger oder knurriger Ermittler – ein Mann, der sein Gesicht einfach in die Kamera halten muss, um Charakteren mit seinem zerfurchten Gesicht Tiefe zu verleihen. Das allein verspricht natürlich nicht immer einen guten Film – ein paar Gurken hat Herr Jones auch im Keller – aber im Fall von „In the Valley of Elah“ bietet ein fantastischer Film die Grundlage für eine brillante Schauspielleistung.

Ein besorgter Vater, Vietnam-Veteran und überzeugter Patriot, ist auf der Suche nach seinem seit Wochen vermissten Sohn, der ebenfalls eine Karriere beim US-Militär begonnen hat. Kurz nach dem Beginn seiner Ermittlungen auf eigene Faust findet die Polizei einen verstümmelten Leichnam, der sich wenig später als sein Sohn herausstellt. Da der Fall im Hin und Her zwischen der örtlichen Polizei und der Militärpolizei zu versanden droht, lässt der Vater nicht locker, bis er den Täter mit Hilfe einer örtlichen Polizistin ermitteln kann.

in_the_valley_of_elah_
 Der Plot des Films klingt simpel. Was den Film jedoch so bemerkenswert macht, ist die geschickte und sensible Einflechtung komplexer Problemthemen wie die Verarbeitung und Einfluss des Krieges auf den Menschen, Entfremdung, Rassismus und männlicher Chauvinismus. Dabei bedient sich der Film keinerlei Klischees und wirkt nie offen anklagend. Der Film entzieht sich einer offenen Wertung der Geschehnisse und die Gedanken spiegeln sich, ohne ausgesprochen zu werden, ausschließlich in den Gesichtern der Beteiligten wider.

Neben dem einsam im Rampenlicht stehenden Tommy Lee Jones zeigen auch weitere prominente Kollegen wie Charlize Theron, Susan Sarandon und Jason Patric eine klasse Leistung. Die Inszenierung des Films ist angenehm zurückhaltend. Lange Einstellungen, viele Gesichtsaufnahmen, statische Kameraperspektiven und gedämpfte Farben bestimmen die melancholische Atmosphäre des Films. Einzig und allein die realistisch wirkenden hektischen Handy-Videoaufnahmen des Sohnes aus dem Irak-Krieg stellen dazu einen Kontrast dar.

Der Film ist bewegend, aber nie rührselig. Das Drehbuch ist fantastisch und der Film droht zu keiner Zeit unter der Last seiner komplexen Thematik zusammenzubrechen. Ein subtiles Meisterwerk, das in seiner minimalistischen Inszenierung deutlich fesselnder und bewegender ist als viele andere weitaus aufgeregtere Antikriegsfilme.

IMDB

« Newer Posts - Older Posts »

Kategorien