Verfasst von: huangdi | 4. März 2009

Dunkle Wolken und Geldregen

Taiwan ist hochgradig vom Export abhängig. Der Binnenmarkt ist zu klein, um allein davon zu leben. Die Wirtschaftskrise hat auch Taiwan erreicht. Durch die enge Verzahnung der meisten großen taiwanesischen Unternehmen mit China als Werkhalle fallen zwar die Arbeitsplatzverluste im Vergleich zum großen Nachbarn bisher moderat aus, dennoch ist die wirtschaftliche Krisenstimmung überall zu spüren.

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Bereits im Januar hat die taiwanesische Regierung Konsumgutscheine im Wert von 3600 Taiwan-Dollar (umgerechnet etwa 82 EUR) an jeden taiwanesischen Bürger ausgegeben, um den schon seit letztem Jahr stockenden Konsum anzukurbeln. Der Effekt ist fraglich, man kann Geld aber auch weniger öffentlichkeitswirksam in riesigen Konjunkturpaketen für marode Unternehmen verbrennen. Zahlreiche Marketingaktionen mit zusätzlichen Preisnachlässen bei Benutzung der Konsumgutscheine haben zumindest in meinem Umkreis für eine hektische Betriebsamkeit und dem Erwerb deutlich höherwertiger Güter geführt.

Zahlreiche Unternehmen haben mittlerweile auch durchaus deutlich die Preise für Ihre Produkte gesenkt. So gibt es in allen taiwanesischen McDonalds-Filialen einen Nachlass von gut 20% auf alle Menüs, andere Imbissketten werten Ihre Angebote mit Gratis-Zugaben auf. KFC bietet an einem bestimmten Wochentag und zu einer bestimmten Zeit sogar Paaren einen Gratis-Burger an, wenn sich beide vor der Theke küssen. Eine Marketingaktion, die es sicher nicht nach Indien schafft.

Erfreulich sind auch die Preissenkungen bei Lebensmitteln. Nicht nur Obst und Gemüse entleeren den Geldbeutel deutlich weniger, sondern auch Milchartikel und Brot, die noch im letzten Jahr im Preis deutlich zugelegt hatten. Die Leute selbst nehmen diese Senkungen sehr erfreut zur Kenntnis. Während einer Taxifahrt lief im Radio sogar eine Sendung, die allein auf die derzeitigen Preissenkungen zugeschnitten war und am laufenden Band die gesenkten Preise runterratterte.

Trotz der Hiobsbotschaften von den Börsen und den düsteren Aussichten für die hier so wichtige IT-Industrie sehen die meisten Taiwanesen die Krise überraschend pragmatisch und verstehen sie sogar als Chance. So sind viele davon überzeugt, dass sie ihr mit Aktien verbranntes Geld durchaus kurzfristig mit Investitionen in die jetzt spottbilligen Firmenanteile auf Papier wieder zurückholen werden.

Der Arbeitsmarkt ist auch noch recht ruhig. Zwar gibt es vereinzelt Berichte über Firmenschließungen oder nichtgezahlte Gehälter, aber die meisten Unternehmen haben auch dieses Jahr üppige Jahresboni an ihre Mitarbeiter ausgezahlt. Leute, die meine Firma verlassen haben, fanden recht schnell eine mindestens gleichwertige Stelle. Auch für gut qualifizierte Ausländer gibt es nach wie vor passende Jobs.

Kritisch für Taiwan ist vor allem die Dauer der Krise. Die IT-Industrie profitiert doppelt von einer anziehenden Konjunktur, da dann sowohl Konsumenten als auch Firmen gleichermaßen in ihre Produkte investieren. Bleibt die Erholung aus, werden wohl so einige, auch größere Unternehmen auf der Strecke bleiben. Bisher hat es eher Unternehmen getroffen, die schon vor der Krise in Schwierigkeiten steckten. Derzeit sparen die Taiwanesen vor allem in den Fertigungsstätten in Festlandchina, aber irgendwann wird es im Fall der Fälle auch der Insel an die Substanz gehen.

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Responses

  1. Hmm ich hoffe das wird wieder alles, ich will ja auch mal irgendwann nen Job finden. Alles in allem, sehen die Leute das hier aber alles ehr nicht so kritisch denke ich. Eine Freundin von mir hat zwar auch ihren Job bei einem Solar-Technik Unternehmen verloren, aber nun ist sie umso entschlossener einen besseren Job zu finden. Ihr Freund meinte, sie solle fuer die Regierung arbeiten, sollte eigentlich Krisensicher sein oder?

    Gute Nacht nach Taibei 😉


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