Verfasst von: huangdi | 16. Januar 2009

Ein kleiner Jahresrückblick – Teil 3: Filme

Der dritte und abschließende Teil meines kleines Jahresüberblicks wird einen kleinen Spaziergang durch die Filme des Jahres 2008 unternehmen. Wie in den beiden Teilen zuvor ist da nicht unbedingt das Herstellungsjahr bestimmend, sondern schlicht und einfach mein persönlicher Film-Fahrplan des vergangenen Jahres. Gerade bei Filmen macht sich bei mir häufig ein rapider Gedächtnisschwund bemerkbar, so dass die benannten Film in der Mehrzahl erst in den letzten zwei, drei Monaten von mir gesehen wurden. Vielleicht ist es besser so, denn auch so wird dieser Beitrag den Rahmen der bisherigen bei weitem sprengen.

Belehrendes

Im Frühjahr ergab sich für mich im Zuge eines Messeaufenthalts in München wieder einmal die Gelegenheit, ein deutsches Kino zu besuchen. Die Wahl des Abends fiel auf „Die Welle„. Der Film krankt ebenso wie die Buchvorlage an der fehlenden Glaubwürdigkeit. Die rapide Abfolge der Ereignisse, der Charakterwandel bzw. deren Zuspitzung – das alles konnte mich auch in der modernisierten Fassung des Stoffes nicht überzeugen. Dazu kamen gestelzte Dialoge, eine lahme Inszenierung und vor allem wieder einmal viel zu alte Darsteller für die Jugendlichen. Seit „Der Feuerzangenbowle“ krankt der deutsche Film schon daran. Aber das ist, ebenso wie der Film, nebensächlich. Zumindest die Reaktionen der vorwiegend jugendlichen Zuschauer im Münchner Kino waren positiv und schon während des Abspannst gab es einige beherzte Kontroversen.

Erheiterndes

Komödien sind ein eisglattes Terrain, die meisten rutschen aus, aber zumindest die Eisprinzen von „Blades of Glory“ hielt es während der Laufzeit auf den Beinen. Anspruchslos, aber durchaus erheiternd. „Don’t Mess with the Zohan“ sprengt dagegen jede Messlatte in Sachen Anspruchslosigkeit und den Geduldsfaden eines jeden Zuschauers bei Verstand. Obszön, taktlos, unlustig. Meilenweit davon entfernt, in gediegener Durchschnittlichkeit, befindet sich dagegen die Agentenkomödie „Get Smart„, die mit einem gut aufgelegten Schauspielensemble und einigen Lachern die Zeit nicht allzu lang erscheinen lässt. In ähnlichen Regionen bewegt sich auch „Tropic Thunder“, das sein Potential mit zuviel Geschwätzigkeit und zu vielen platten Szenen etwas verspielt. Trotzdem werden einige skurrile Begebenheiten des unfreiwilligen Dschungeltrips sicher in Erinnerung bleiben. Einsame Spitze an der Komödienfront war 2008 für mich „Burn After Reading„. Eine glaubhaft-absurde Geschichte, eine Kettenreaktion par excellence, Topstars in Spiellaune und der wohl witzigste Abschlussbericht der Filmgeschichte.

Blutiges

Nicht nur im Titel des hochgelobten, bildgewaltigen Epos „There Will Be Blood“ geht es blutig zu. Schonungslos wird die Psyche eines skrupellosen Kapitalisten seziert. Das ist für den Zuschauer manchmal anstrengend, aber beschert zumindest unvergessliche Filmmomente. Unvergesslich bleibt sicher auch der charismatische und eiskalte Berufskiller von „No Country for Old Men“. Die Romanverfilmung besticht mit schönen Bildern und guten Schauspielern, konnte mich aber inhaltlich nicht über die lange Laufzeit mitreißen. Wesentlich kürzer und sicher am blutigsten geht Ramboauf seinen vierten Streifzug mit jeder Menge „Kollateral-Schäden. Weniger schlimm als angenommen, aber auch nicht gerade subtil passt Silvester Stallones Rückkehr in den Dschungel zu den anderen Vertretern in dieser Sparte wie Bambi zu Freddy Krueger.

Dramatisches

Dramatisch war 2008 in so mancher Hinsicht, aber auch in Sachen Film gab es einige sehenswerte Werke. An vorderster Front ist da sicherlich „Into The Wild“ zu nennen, ein mitreißendes Aussteigerdrama von Sean Penn. Der Film ging mir sehr nahe, dazu kommt der tolle Soundtrack von Eddie Vedder. Deutlich stiller, aber nicht weniger aufwühlend geht Tommy Lee Jones in „In the Valley of Elah“ auf die Suche nach seinem verlorenen Sohn. Ein äußerst subtiler Antikriegsfilm mit fantastischen Schauspielern, der viele Problemthemen aufgreift, ohne dass es aufgesetzt wirkt. Sehr klassisch gibt sich dagegen das Ehedrama „The Painted Veil„, das in einem unverbrauchten Szenario gekonnt zwischen unterkühlt und leidenschaftlich wechselt. Ganz großes Kino. Thematisch gar nicht so weit davon entfernt ist „The Children of Huang Shi„, die Verfilmung einer wahren Begebenheit im China der 30’er Jahre. Leider vergeigt der Film die sehr reizvolle Vorlage und bietet unpassenderweise noch eine gewaltige Brise unfreiwilligen Humors. Ein wunderschönes Märchen tischt dagegen „August Rush“ auf. Die Geschichte über einen Waisenjunge auf der Suche nach seinen Eltern ist zwar kitschig, aber so souverän inszeniert und gespielt, dass am Ende eher selten Augen trocken bleiben.

Fantastisches

Comic-Helden im Kino boomen. Und das durchaus zurecht. Wo sonst kann man so ausführlich die neueste Tricktechnik präsentieren, wo sonst die Soundanlage so herzlich aufdrehen. „Iron Man“ bietet einen charismatischen Titelhelden, viel Humor und eine nette Geschichte. Die Neuauflage von „Hulk“ steht in Sachen Humor etwas zurück, lässt es dafür im finalen Duell so richtig wuchtig krachen. Der von mir spät nachgeholte „Spiderman 3“ verzettelt sich etwas in zu vielen Freunden und Gegnern mit zu vielen persönlichen Tragödien, ist aber immer noch äußerst unterhaltsam. Der Bösewicht des Jahres ist sicher der abgrundtief anarchische Joker aus „The Dark Knght„, einem tollen Kinoereignis mit nur kleinen Schwächen, unter anderem einem etwas blassen Batman. Völlig ohne Comicvorlage kommt der Held „Hancock“ aus, der am unterhaltsamsten ist, so lange er noch nicht gelernt hat sich zu benehmen. Der Rest des Films fällt zwar etwas ab, aber das Popcorn noch lange nicht vor Entsetzen aus der Tüte. Entsetzlich war dagegen der Fantasyfilm „The Seeker„, was vor allem am schauspielerisch völlig überforderten Titelhelden, einem kleinen Jungen, liegt. Aber auch die Handlung des Films wird zum Ende hin immer hanebüchener. Da bleibe ich doch lieber bei Comicverfilmungen.

Spannendes

Meine Flopkategorie dieses Jahres. Geleckte Blender ohne jede Seele wie „Deception„, „Wanted“ oder „21“ waren eine echte Pein, aber selbst eher hausgemachte Spannungskost wie „The Contract“ war einfach nur schrecklich. All diesen Filmen gemein sind recht unmotivierte Schauspielspitzenkräfte wie Kevin Spacey, Morgan Freeman (gleich zweimal vertreten) oder John Cusack. Wie man geschickt und glaubwürdig Spannung aufbaut, zweigt „The House of Sand and Fog„. Ohne Schwarz-Weiß-Malerei nimmt ein menschliches Drama seinen Lauf. Packend, berührend, unvergesslich. Genau die gleichen Attribute treffen auch auf „The Brave One„, in der Jodie Foster die Justiz in die eigene Hand nimmt. Das ist natürlich immer eine Gratwanderung, aber der Film nimmt seine Thematik ernst. Deutlich grobschlächtiger ist da schon in „Death Sentence„, der zwar packende Action bietet, aber auf der Ebene des menschlichen Dramas überhaupt nicht funktioniert.

Düsteres

Düster war schon etwas die Erinnerung an „I Know My First Name Is Steven„, den ich unbedingt mal wieder sehen wollte, nachdem er mich vor vielen Jahren im Fernsehen recht beeindruckt hatte. Nun, wie die Erinnerung trügen kann. Miserable Schauspielleistungen, eine altbackene TV-Inszenierung und zum Teil wirklich üble Dialoge. Dieses Wiedersehen hätte ich mir und dem Film ersparen sollen. Ähnlich zäh verlief die Sichtung von „Zodiac„, dem hochgelobten Zeitporträt von David Fincher um einen der berühmtesten Serienkiller der US-Geschichte. Detailtreue, die Leistung aller Akteure und auch die Bildsprache sind über alle Zweifel erhaben. Doch zwei, drei packende Szenen in einem Film mit solch langer Laufzeit sind einfach zu wenig, so dass ich den Film trotz aller Vorschusslorbeeren einfach nur langweilig fand. Sehr positiv überrascht war ich dagegen von „Gone Baby Gone„, dem Kinodebüt von Ben Affleck. Ein äußerst düsterer Ausflug in menschliche Abgründe, der recht konventionell beginnt, aber zum Ende hin immer mehr moralische Fragen aufwirft, ohne sie plakativ zu beantworten. Casey Affleck, der mir im elegischen „The Assassination of Jesse James by the Coward Robert Ford“ schon sehr gut gefallen hat, gibt in der Rolle des privaten Ermittlers eine fantastische Leistung ab.

Putziges

Eine Menge Computeranimation hat es dieses Jahr in mein Wohnzimmer bzw. in den von mir besetzten Kinosaal geschafft. Während „Ratatouille“ meine Erwartungen mit unglaublich viel Charme und Einfallsreichtum vollkommen erfüllen konnte, ist das Nachfolgewerk „Wall E“ in meinen Augen etwas zu lang geworden. Nach dem äußerst atmosphärischen Beginn geriet die Geschichte zunehmend ins Schlingern. Technisch haben natürlich beide Filme von Pixar in allen Belangen überzeugt. Ganze zwei Klassen drunter findet sich da „Madagascar 2„, sowohl in Sachen Detailreichtum als auch in Sachen Orginalität und Humor. Meine Überraschung des Jahres war dagegen „Kongfu Panda„. Sehr flott, sehr liebenswürdig und auch künstlerisch zieht der pummelige Panda eine ganz große Show ab, auch wenn die Nebenfiguren etwas darunter leiden.

Abenteuerliches

Eine Menge neuer Abenteuerfilme hat uns das Jahr 2008 beschert. Während „The Mummy: Tomb of the Dragon Emperor“ den schon schwächeren zweiten Teil der Mumien-Trilogie deutlich unterbot, enttäuschte vor allem „Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull“ in nahezu allen Belangen. Natürlich kann man zwei Stunden weniger unterhaltsam verbringen, aber wenn ich an die vergnügliche Ur-Trilogie des Peitschen schwingenden Archäologie-Professors denke, dann ist das schon ein Zwangsabstieg in die Amateurklasse. Dort würde sich das Werk dann auch in geselliger Runde mit dem einfallslos-infantilen Asien-Abenteuer „The Forbidden Kingdom“ und dem steifen, überraschungsfreien „The Chronicles of Narnia: Prince Caspian“ treffen können. Kein guter Jahrgang für Abenteurer.

Lebendiges

Um am Ende nicht ganz den Flops das Feld zu überlassen und den Kreis zum Anfang des Rückblicks zu schließen, hier noch ein zweiter deutscher Film, diesmal allerdings auf DVD in Taiwan gesehen. „Sommer vorm Balkon“ ist ein kleiner Film, dessen unbeschwerte Inszenierung nicht über die teilweise ernsten Themen hinwegtäuschen sollte, die die Handlung bestimmen. Schöner leiser Humor, menschliche Tragik und eine Menge Berlin-Atmosphäre machen viel Freude. Meinen taiwanesischen Mitsehern blieb ein Großteil dieses Charmes (deutsche Schlager, Neubausiedlungs-Einheitsmöbel, Weiterbildungskurse des Arbeitsamtes) leider verborgen und auch das offene Ende sorgte für Missmut. Ich hatte aber meinen Spaß, so wie mit den meisten Filmen des Jahres 2008. Das Hobby bleibt spannend und auch 2009 hoffe ich auf viele vergnügte Filmstunden.

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Responses

  1. Wow, welch ausführlicher Jahresrückblick. Da merke ich irgendwie, wie wenige Filme ich letztes Jahr tatsächlich im Kino gesehen habe – können nicht mehr als kaum eine Hand voll gewesen sein. Doch wenigstens zu „Burn After Reading“ hat es gereicht – und das war wohl auch mein bester Kinofilm 2008!

  2. Mittlerweile sind mir noch einige Filme mehr eingefallen, die auch eine Beruecksichtigung verdient haetten, unter anderem „The Mist“ (was fuer ein Ende) und „Mysterious Skin“ (packend und tieftraurig). Aber irgendwann muss man ja einen Schlussstrich ziehen.

    Einige der Filme (u.a. der Megaflop „Deception“) haben es in Taiwan nicht ins Kino, dafuer umso schneller in die Videothek geschafft.

  3. ich fand Deception ganz gut 🙂

  4. Kann dir fast durchweg zustimmen! Insbesondere die Coens haben das vergangene Jahr bereichert. Einmal ernsthaft, einmal heiter. Und beide Male wirklich gelungen.

    Zodiac hat mir beim ersten Mal auch nicht sonderlich gefallen. Fand ihn zu langatmig. Als ich ihn kürzlich ein zweites Mal sah, habe ich meine Meinung jedoch revidiert. Das ist ein stilles Meisterwerk: Ein mit ruhiger Hand inszenierter Thriller, dessen dichte Atmosphäre mich (nicht zuletzt wegen der Musik) packte. Irgendwann steht der Kauf der Doppel-DVD an 🙂

  5. @Alex: Das ist Dein gutes Recht, aber das koennen wir ja mal unter vier Augen diskutieren, wenn Du auf der Insel weilst. Nur soviel: Der Film wurde zum Ende hin immer abstruser und das Ende war lachhaft.

    @Jochen: Langatmig faellt mir bei „Zodiac“ auch als erstes ein. Aber vielleicht gewinnt der Film ja wirklich mit jedem Durchlauf. Wie gesagt, die Inszenierung und Schauspieler waren klasse, die Voraussetzungen also gut. Mal schauen, vielleicht gibt es in ein, zwei Jahren nochmal eine Gelegenheit zur Revision.

  6. unter 4 augen? klingt gefährlich.. dann find ihn doch wieder nicht gut haha 😀

  7. Das sollte auch gefaehrlich klingen…


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