Verfasst von: huangdi | 6. Januar 2009

Ein kleiner Jahresrückblick – Teil 1: Musik

Kaum ist man ins neue Jahr getaumelt, schaut man auch schon wieder zurück auf das Jahr 2008. In persönlicher Hinsicht sicher ein unvergessliches Jahr mit Höhen und Tiefen, aber das soll ganz sicher nicht Thema dieses Eintrags sein. Vielmehr möchte ich völlig entspannt etwas durch die persönlichen medialen Höhe- und Tiefpunkte 2008 spazieren und vielleicht den einen oder anderen Leser auf diese Reise mitnehmen.

Musik

Durch den täglichen etwas längeren Arbeitsweg, der stets per pedes oder mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bestritten wird, habe ich im vergangenen Jahr wohl soviel Musik gehört wie nie zuvor. Zwar hat sich mein musikalischer Horizont dadurch nicht unbedingt unglaublich erweitert, aber ein paar neue Scheiben haben es dann doch auf meinen Ipod geschafft. Am Anfang des Jahres hat Radiohead den Ton angegeben. Mit „In Rainbows“ haben die Jungs ein erstaunlich zugängliches Werk vorgelegt, dass trotz aller Ecken und Kanten ein paar Lieder beherbergt, die schon nach dem zweiten Hören im Ohr sitzen. Ein fantastisches Werk einer brillanten Band, deren CDs bis auf das Debütalbum allesamt immer wieder in der Wiedergabeliste landen.

Ein ebenso großer Dauerbrenner ist Eddie Vedder, meist in Form seiner Band Pearl Jam. Für den klasse Film „Into the Wild“ hat Vedder nun ein Soloalbum vorgelegt, dass trotz oder gerade wegen seiner Kürze unglaublich intensiv und atmosphärisch ist. Tolle Songs, sparsam instrumentiert, aber mit dieser Stimme braucht man auch kein Orchester. Eine weniger tiefe, aber ebenso markante Stimme hat Michael Stipe, der mit seinen beiden Wegbestreitern in Form von R.E.M. auch ein neues Werk vorgelegt hat. „Accelerate“ heißt es, und die drei älteren Herren geben in der Tat durchaus Gas, um die etwas schwerfälligen Vorgängeralben vergessen zu machen. Das gelingt souverän, wobei die Halbwertzeit dieses Albums etwas kurz ist. Einige der schnellen Nummern nerven mittlerweile etwas, aber das ist vielleicht auch nur temporär der Fall.

Schon etwas älter, aber für mich eine Neuentdeckung ist das Album „Plans“ von Death Cab for Cutie. Melancholischer Pop-Rock, überaus abwechslungsreich und intelligent. Zwar kann ich mich mit der Stimme vom Leadsinger immer noch nicht so ganz anfreunden, aber die ausgefeilten Songstrukturen und die klasse Melodien machen das locker wieder wett. „Plans“ wird sicher nicht das letze Album sein, dass ich von dieser Band höre. Bei Institute mit ihrem Album „Distort Yourself“ kann das durchaus der Fall sein. Ob die Band des Ex-Bush-Sängers Gavin Rossdale ein Nachfolgewerk präsentiert, steht in den Sternen. Der Unterschied zu Bush ist ohnehin nicht allzu groß. Rau, grob, aber immer wieder mit Refrains zum Dahinschmelzen. Dazu eine einzigartige Stimme und es entsteht ein Album, dass nicht unbedingt einfallsreich und überaus intelligent ist, aber mitreißend und je nach Stimmung fantastisch.

Snow Patrol hat mit „A Hundred Million Suns“ erstaunlich fix nach „Eyes Open“ ein neues Album herausgebracht. Dementsprechend werden alle enttäuscht, die völlig neue Facetten in dieser Band entdecken wollen. Nach den ersten Durchläufen war ich auch etwas ernüchtert, da sich doch sehr vieles sehr ähnlich anhört. Nach einer Weile geht aber – bis auf ein, zwei Ausnahmen – jeder Titel sofort ins Ohr. Die meisten Stücke sind sehr flott, voller Energie. Erstaunlicherweise ruht das Album in der Mitte mit zwei Balladen in sich. Eine davon, „Set Down Your Glass“, ist für mich das schönste Lied des Jahres. Mal schauen, ob sich die Jungs von Snow Patrol mit dem nächsten Album etwas Neues ausdenken. Falls nicht, ist das auch nur halb so schlimm.

Am Ende ist leider die Band Elbow, die mit ihrem letzten Album „The Seldom Seen Kid“ aber nochmal alles von ihrem Können zeigen. Die Stimme des Sängers Guy Garvey ist grandios, eine Mischung aus Seal und Eddie Vedder, gepaart mit unglaublich hohem Zigarettenkonsum. Die meisten Lieder sind tieftraurig, aber immer pompös inszeniert. Teilweise übertreiben es einige Stücke mit dem Bombast. Aber immer, wenn sich Elbow allein auf Stimme und Melodie besinnt, kommen dabei fantastische Songs wie „Friend Of Ours“ heraus. Trotz aller Ankündigungen hoffe ich auf Nachschlag von Elbow.

Natürlich gab es auch 2008 für mich milde Enttäuschungen in musikalischer Hinsicht. Coldplay bestätigt mit „Viva La Vida“ für mich persönlich den musikalischen Abstieg, der sich mit „X&Y“ schon zart andeutete. Alles klingt gewollt, aus den Geräuschen und Effekten ergeben sich für mich keine schönen Melodien und statt wie geplant Musik mit Ecken und Kanten zu bieten, inszeniert sich Coldplay einfach nur sperrig. Zumindest habe ich erst dieses Jahr mit deren Debütalbum „Parachutes“ ein zeitloses Meisterwerk auf den Ipod gehievt. Kein Vergleich. Ebenso abwärts geht es mit Travis. „The Boy with No Name“ hat mich bis auf zwei Songs einfach nur genervt. Fast gelangweilt präsentiert sich hier eine Band, die mit ihrem zweiten Album („The Man Who“) ehemals so brillant war. Ein neues Album von Travis steht ja in Rekordzeit derzeit schon wieder in den Läden, aber ob sie da das Ruder rumreißen können?

Insgesamt also durchaus ein Jahr mit einigen Entdeckungen, zu denen auch die Bands Saybia (sehr melancholisch, manchmal schon fast pathetisch) und The Weakterthans (noch zu neu, um sie zu bewerten) gehören.

Als Abschluss noch meine derzeitige Top5 der meistgespielten Songs auf meinem Ipod:

1. Jonathan Rhys Meyers: „This Time“ (vom Soundtrack des Films „August Rush“)
2. Eddie Vedder: „No Ceiling“ (vom Soundtrack des Films „Into The Wild“)
3. Radiohead: „I Will“ (vom Album „Hail To The Thief“)
4. Lifehouse: „Learn You Inside Out“ (vom tollen Album „Who We Are“)
5. Eddie Vedder: „Tuolumne“ (vom Soundtrack des Films „Into The Wild“)

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Responses

  1. Eine tolle Zusammenstellung! Wenn die DEATH CAB FOR CUTIE zusagt und du immer noch nicht Genug von der Stimme des Leadsängers hast, solltest du mal in THE POSTAL SERVICE reinhören.

  2. Was ist mit AC/DC??? Nicht in deinen Ohren in 08 gewesen?

  3. @bullion: Vielen Dank, The Postal Service klingen auf alle Faelle interessant. Fuer das kleine Plattenlabel war die Platte laut Wikipedia die erfolgreichste dem Nirvana-Debuetalbum.

    @tonari: AC/DC war 2008 nicht in meinen Ohren und ich muss sagen, dass ich seit den seligen MTV-Tagen Anfang der Neunziger (da lief immer „Thunder“, was mich irgendwie fasziniert und gleichzeitig verstoert hat) auch nichts mehr von der Band gehoert habe. Klassischer Hardrock ist nicht so mein Fall, aber es kann natuerlich sein, dass ich da einige Facetten der Band uebersehe.

  4. also falls es wen interessiert, ich kann mit all dem aufgeführten gar nichts anfangen :D…wie dem auch sei alles gute für 2009! 🙂

  5. Was rotierte denn bei Dir 2008 im Laufwerk? Irish Folk? 😉

  6. hehe.. nein. Ich mag mehr HipHop, J-Rock und Chinesische Musik, Indie-Rock/Pop…. kann da Last.fm nur empfehlen ;).

  7. Ja, da liegen wir bis auf das letzte Genre musikalisch nicht auf einer Wellenlinie. Gerade chinesische Pop-/Rock-/Hiphop-Musik finde ich ganz fuerchterlich. Kaum markante, dafuer umso mehr duenne Stimmen, einfallslose Melodien, peinlich-coole Posen. Vielleicht bin ich aber auch noch nicht auf die passenden Kuenstler gestossen.

  8. hey… Wu Bai ist doch super ;)..meine Freundin kanns schon nicht mehr hoeren hehe…“卡奇社“ ist sehr gut und „the brilliant green“ aus Japan kann ich auch empfehlen, dann hab ich noch ne menge andere von Freunden bekommen, bei denen hat mir iTunes aber die Chinesischen Zeichen entfernt.. also keine Ahnung was das alles ist ;).

    Uebringens das mit der Mastercard war ein guter Tipp, meine Bank bietet das sogar an 5x im Monat kostenlos Geld abheben, danke nochmal 🙂

  9. Na dann sind die laestigen Finanztransfer-Probleme ja geloest. Aber es ist mittlerweile ja schon viel bequemer geworden als noch vor 10 Jahren.


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