Verfasst von: huangdi | 31. Dezember 2008

The Children of Huang Shi

Welch dankbare Vorlage nach einer wahren Begebenheit für einen dramatischen Film: Der englische Reporter George Hogg startet 1937 im von Japanern besetzten China von Shanghai aus nach Nanjing, um die gerüchteweisen Gräueltaten der Japaner mit seiner Kamera zu dokumentieren. Nach seiner Ankunft dort läuft vieles schief und seine Begleiter werden von japanischen Soldaten hingerichtet. Nur durch viel Glück und mit der Hilfe kommunistischer Widerstandskämpfer entkommt Hogg seiner Hinrichtung. Es verschlägt ihn in das abgelegene Kaff Huangshi, wo er sich zunächst eher widerwillig um die Betreuung einer Gruppe von Waisenjungen kümmert. Da die Jungen Gefahr laufen, entweder in die Hände der Japaner oder der demoralisierten KMT-Truppen zu geraten, bricht Hogg in Begleitung einer australischen Krankenschwester und eines kommunistischen Kämpfers zu einem langen Marsch in den sicheren, da menschenleeren Westen Chinas auf.

Ein für Hollywood-Filme unverbrauchtes Szenario, mit Jonathan Rhys Meyers, Yun-Fat Chow und Michelle Yeoh recht prominente Schaupieler und ein sehr erfahrener, routinierter Regisseur, der mit „Under Fire“ vor langer Zeit schon einmal einen guten Reporterfilm, damals in Nicaragua spielend, gedreht hat. Doch trotz all dieser vielversprechenden Zutaten will der Funke bei diesem Film einfach nicht auf den Zuschauer überspringen.

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Die Inszenierung wirkt sprunghaft. Trotz der übersichtlichen Handlung schafft es der Film immer wieder, die Geschichte lückenhaft wirken zu lassen. Unvermittelte Schnitte und plötzliche Ortswechsel lassen den Film keinen Rhythmus finden. Die Kriegsszenen, die einen so bitteren Kontrast zur malerischen Landschaft im Film schaffen könnten, wirken zwar nicht billig, aber unbeholfen inszeniert. Zwar sind alle Protagonisten charismatisch, aber besonders Jonathan Rhys Meyers stößt bei so einigen dramatischen Szenen anscheinend an die Grenzen seines schauspielerischen Talents. Deutlich eher verzeihen kann man da, dass auch die Darsteller der chinesischen Kinder ab und an allzu übertriebene Mimik an den Tag legen.

Noch ein Detail, das bei Chinesisch sprechenden Zuschauern sicher so einige Belustigung hervorrufen wird. Anscheinend hat man dem armen Jonathan Rhys Meyers vor dem Film nur einen zweistündigen Crashkurs in chinesischer Aussprache gegönnt. Obwohl er im Film eine lange Zeit in China verbringt, sind seine Bemühungen, Mandarin über seine Lippen zu bringen, absolut unverständlich. Man spürt quasi, wie sich die Kinderdarsteller beim Dreh dieser Szenen ein Lachen verkneifen und ein Verständnis des Kauderwelschs vortäuschen müssen. Was auch auffällt, ist, dass blonde oder blauäugige Ausländer im Jahr 1937 in China anscheinend selbst in abgelegenen Gegenden deutlich weniger Aufmerksamkeit und Blicke der einheimischen Bevölkerung erregen als bei einer U-Bahn-Fahrt im heutigen Taipei. Ich habe da auf dem Land in China vor wenigen Jahren ganz andere Erfahrungen gemacht.

Nach dem Abspann des Films ist man seltsam unbefriedigt. Zwar war man Zeuge einer einzigartigen Begebenheit in der neueren Geschichte Chinas, aber der Film fängt nichts von der komplexen Situation dieser Zeit und von der Magie dieser Geschehnisse ein. Am gelungensten waren noch die Interview-Aussagen der Zeitzeugen, die am Ende der Geschichte eingeblendet werden und die Lust auf einen umfangreicheren Dokumentarfilm zum Thema machen. Vom Film selbst bleibt wohl nur die unfreiwillige Komik, der Ärger über die verpassten Chancen und die lustlose Inszenierung im Gedächtnis hängen. Schade, schade.

IMDB

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