Verfasst von: huangdi | 29. Dezember 2008

In the Valley of Elah

Tommy Lee Jones ist als Schauspieler erst im Alter über 40 so richtig auf Touren gekommen. Unvergesslich als Bösewicht, unbarmherziger Verfolger oder knurriger Ermittler – ein Mann, der sein Gesicht einfach in die Kamera halten muss, um Charakteren mit seinem zerfurchten Gesicht Tiefe zu verleihen. Das allein verspricht natürlich nicht immer einen guten Film – ein paar Gurken hat Herr Jones auch im Keller – aber im Fall von „In the Valley of Elah“ bietet ein fantastischer Film die Grundlage für eine brillante Schauspielleistung.

Ein besorgter Vater, Vietnam-Veteran und überzeugter Patriot, ist auf der Suche nach seinem seit Wochen vermissten Sohn, der ebenfalls eine Karriere beim US-Militär begonnen hat. Kurz nach dem Beginn seiner Ermittlungen auf eigene Faust findet die Polizei einen verstümmelten Leichnam, der sich wenig später als sein Sohn herausstellt. Da der Fall im Hin und Her zwischen der örtlichen Polizei und der Militärpolizei zu versanden droht, lässt der Vater nicht locker, bis er den Täter mit Hilfe einer örtlichen Polizistin ermitteln kann.

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 Der Plot des Films klingt simpel. Was den Film jedoch so bemerkenswert macht, ist die geschickte und sensible Einflechtung komplexer Problemthemen wie die Verarbeitung und Einfluss des Krieges auf den Menschen, Entfremdung, Rassismus und männlicher Chauvinismus. Dabei bedient sich der Film keinerlei Klischees und wirkt nie offen anklagend. Der Film entzieht sich einer offenen Wertung der Geschehnisse und die Gedanken spiegeln sich, ohne ausgesprochen zu werden, ausschließlich in den Gesichtern der Beteiligten wider.

Neben dem einsam im Rampenlicht stehenden Tommy Lee Jones zeigen auch weitere prominente Kollegen wie Charlize Theron, Susan Sarandon und Jason Patric eine klasse Leistung. Die Inszenierung des Films ist angenehm zurückhaltend. Lange Einstellungen, viele Gesichtsaufnahmen, statische Kameraperspektiven und gedämpfte Farben bestimmen die melancholische Atmosphäre des Films. Einzig und allein die realistisch wirkenden hektischen Handy-Videoaufnahmen des Sohnes aus dem Irak-Krieg stellen dazu einen Kontrast dar.

Der Film ist bewegend, aber nie rührselig. Das Drehbuch ist fantastisch und der Film droht zu keiner Zeit unter der Last seiner komplexen Thematik zusammenzubrechen. Ein subtiles Meisterwerk, das in seiner minimalistischen Inszenierung deutlich fesselnder und bewegender ist als viele andere weitaus aufgeregtere Antikriegsfilme.

IMDB

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Responses

  1. Oh, das klingt gut. Hab aber gerade mal gegoogelt und feststellen müssen, dass der Film an mir völlig vorbei gerauscht ist. Deutscher Kinostart war im März 08. Okay, bleibt also nur die DVD. Aber danke für den Tipp.
    Und falls wir uns nicht mehr lesen, wünsche ich dir einen guten Rutsch gen 2009. Ich freue mich auf neue Berichte im kommenden Jahr…

  2. Ja, um den Film war es recht ruhig waehrend des Kinostarts. Trotzdem kann ich ihn Dir uneingeschraenkt empfehlen. Ein absolut runder Film, der mir zu keiner Zeit langweilig wurde. Und auf DVD ist er auch kaum noch teurer als eine Kinokarte samt Getraenk.

    Ich wuensche Dir und Deiner Familie auch einen guten Rutsch ins neue Jahr.


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