Verfasst von: huangdi | 26. Dezember 2008

Bridge to Terabithia

Filme für ein jüngeres Publikum haben abseits von Fantasy oder Animationsfilm einen schweren Stand. Nur sehr wenigen Filmen gelingt der Balanceakt, mit ihren Figuren und Geschichten alle Altersklassen zu berühren. Ein Paradebeispiel dafür ist sicher der Klassiker „Stand By Me“, den ich schon unzählige Male gesehen habe, aber auch einige wenige jüngere Werke wie „Mean Creek“ oder der italienische Film „Io non ho paura“ („Ich habe keine Angst“) haben einen starken Eindruck hinterlassen. Die Mehrzahl der Versuche landet leider in der dichtbesiedelten Ecke von rührseligen, platten und überflüssigen Reißbrett-Filmen.

Die Werbung und der Trailer für „Bridge to Terabithia“ ließen in mir keine Hoffnung auf eine dieser seltenen Ausnahmen aufkommen: Beworben mit „Von den Machern von ‚Die Chroniken von Narnia'“ und vielen bunten Fantasy-Kreaturen drängte sich der Film mir nicht gerade auf und wäre wahrscheinlich unbemerkt an mir vorbeigezogen, wenn ich mich ihm nicht während eines todlangweiligen 14-Stunden-Fluges erbarmt hätte. Und: Trotz des grieseligen Economy-Class-Sitz-Monitors und schlechter Tonqualität habe ich den Film auf dem Rückflug gleich ein zweites Mal und vor kurzem endlich auf einem großen Bildschirm ein drittes Mal gesehen.

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Der Film stellt zwei Beinahe-Teenager in den Mittelpunkt des Geschehens. Der Junge leidet unter seinen Schwestern und der mangelnden Zuneigung seines Vaters. Sein Talent zum Zeichnen ist für ihn der Eintritt in Fantasiewelten, die er aber mit niemandem in seinem Umfeld teilt. Dies ändert sich mit der neuen gleichaltrigen Nachbarin, zu der sich aus anfänglichem Interesse eine enge Freundschaft entwickelt und die ihn mit ihrer Offenheit und Andersartigkeit dazu bringt, seine Fantasiewelt erstmals mit einem anderen Menschen zu teilen.

Der Film nimmt sich für Hollywood-Verhältnisse sehr viel Zeit für die Einführung der Hauptfigur. Sein Zuhause, seine Familie, seine Schule sowie seine Gegner – das Umfeld wird unaufgeregt ohne unnötige Überspitzung dem Zuschauer vorgestellt. Bis zum Schluss ist diese zurückhaltende Inszenierung bemerkenswert. Einzig und allein bei den Fantasie-Schlachten im Wald wird es turbulenter, aber das passt als Auflockerung hervorragend in die Handlung. Die beiden jugendlichen Darsteller füllen ihre Rollen mit Leben aus, der Junge typischerweise leicht phlegmatisch, während seine Partnerin ausdrucksstark jede ihrer Gefühlsregungen an die Umwelt weitergibt. Auch die Nebendarsteller, unter anderem Robert „Terminator 2“ Patrick, liefern solide Schauspielkunst.

Das Ende ist natürlich starker Tobak, gerade für die kleineren Zuschauer. Aber das Thema wird mit dem gebotenen Respekt behandelt und schlüssig verarbeitet. Der Film ist erstaunlich bewegend, ohne Gefühlshascherei, aber mit vielen subtilen Gesten der Figuren. Am Ende ist „Bridge to Terabithia“ alles andere als ein Reißbrettfilm, sondern vielmehr ein trauriges, aber zugleich optimistisches kleines Meisterwerk. Nur erstaunlich falsch beworben wurde er.

IMDB

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Responses

  1. Jep, der Firm ist wirklich super…

  2. Wir hatten „bei mir“ ja schonmal drüber geschrieben und ich kann dir demnach nur in allen Punkten zustimmen. Schön. Traurig. Unglaublich falsches Marketing.

  3. Ja, toller Film, habe ihn auch zu Weihnachten verschenkt.

    Sehr unterhaltsam in diesem Zusammenhang sind uebrigens die negativen Userkritiken bei Amazon.de, die nahezu ausschliesslich auf das irrefuehrende Marketing des Films zurueckzufuehren sind.


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