Verfasst von: huangdi | 24. November 2008

In Shanghai…

…wurden mir vier Tage schönsten Sonnenscheins und blauen Himmels geboten, leider garniert mit einem eiskalten Wind, dem ich mit mindestens vier Schichten Kleidung Tribut zollen musste. Die von allen Kollegen erwartete (hoffentlich nicht herbeigesehnte) Erkältung blieb aber aus.

…darf in der U-Bahn Speis und Trank konsumiert werden. Zudem ist auch der Transport von Tieren kein Problem. Gleich am ersten Tag bestätigte mir das ein augenscheinlich vom Land stammender Mitfahrer, der eine riesige, sehr undichte Tüte mit lebendigen, nach Kot stinkenden Würmern mit sich führte. Der sich in mir aufbauende Brechreiz wurde mit einer schnellen Flucht in einen fernen Wagon der U-Bahn unterdrückt. Die anderen Mitreisenden betrachteten das Schauspiel allerdings erstaunlich gelassen. Auch das Frühstück wurde ungehemmt im nächster Entfernung weiterverzehrt.

…ist die Entwicklung – wie erwartet – nicht stehengeblieben. Die Stadt wirkt, besonders auf der Halbinsel Pudong, mittlerweile wesentlich organischer. Trotzdem gibt es noch viele staubige Megabaustellen, insbesondere rund um den Bund im Zentrum Shanghais zieren das Straßenbild einige besonders grausige Exemplare.

…haben sich die Preise seit meinem letzten Aufenthalt vor nun auch schon mehr als sieben Jahren erstaunlicherweise kaum verändert. Würde man in Deutschland die Preisänderungen in diesem Zeitraum vergleichen, würden einem die Ohren sicher gehörig schlackern.

…hatte ich erstmals nach meiner letzten China-Reise 2002 wieder einmal die seltene Gelegenheit, der erste Ausländer zu sein, mit dem sich ein Einheimischer unterhält. Ich hoffe, ich habe einen guten Eindruck hinterlassen.

…sprechen immer noch deutlich weniger Leute Englisch als in Taiwan, ob auf der Straße, im Hotel oder an den Ständen einer großen internationalen Messe.

…übertrifft das Servicepersonal an fast jedem Ort den Rahmen von Taipei deutlich. Teilweise flitzen in Restaurants zwanzig Bedienstete für rund fünf Gäste durch den Raum und erwecken betriebsame Geschäftigkeit. Ich befürchte Schlimmstes, wenn es in krisenhaften Zeiten daran geht, Kosten zu senken und überflüssiges Personal auf die Straße zu setzen. Halb Shanghai würde sich da wiederfinden.

…gibt es erfreulich viele Fußgängerzonen, an denen es in Taipei leider mangelt.

…ist die Verkettung deutlich weniger fortgeschritten als in Taipei. Zwar findet man auch im Zentrum Shanghais die üblichen Verdächtigen, aber außerhalb dominieren immer noch kleine, privat geführte Läden mit recht individuellem Angebot.

…findet man fast in jedem Stadtteil teils waghalsige Architekturen – Wolkenkratzer, mit neuen Gebäuden verschmolzene Tempel oder alte Hütten, die augenscheinlich den nächsten stärkeren Windstoß nicht überleben werden.

…ist die Ausschilderung des weiten U-Bahn-Netzes weit weniger gelungen als in Taipei. Viele Zweideutigkeiten, wenig englische Beschilderung und recht fitzelige Fahrkartenautomaten besiegeln die eindeutige Niederlage.

…sind die Speisekarten selbst in den kleinsten Straßenrestaurants unglaublich umfangreich und abwechslungsreich. Während taiwanesische Restaurants häufig recht spezialisiert sind, kommt aus Shanghaier Kleinstküchen von Suppen über Reis- und Nudelgerichte bis hin zu Fleischspießen die gesamte Palette chinesischer Küche. Eine sehr angenehme Abwechslung zu hiesigen Speisekarten, die gebietsweise nur aus Variationen von Rindfleisch-Nudelsuppe zu bestehen scheinen.

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Responses

  1. Was machst du in Shanghai?…….
    und…wie reagieren die Chinesen wenn jemand ihre Sprache spricht?….ich las einmal das sie es gar nicht gerne haben! …..
    Das mit den Preisen erstaunt mich, so dachte ich nach den Spielen ziehen die Chinesen sicherlich an der Preisschraube!

    Schöne Woche wünsch ich dir
    Bonafilia

  2. Hallo Bonafilia,

    dank meines Jobs besuche ich ab und zu Messen im Ausland. Diesmal war es Shanghai.

    Spricht man Chinesisch, habe ich bisher eigentlich immer nur zwei Reaktionen registriert: Ueberraschung und grosse Freude oder absolute Gelassenheit. Negative Reaktionen habe ich bisher keine bemerkt.

    Bei den Preisen war ich auch ueberrascht. Nur bei Eintrittsgeldern fuer Sehenswuerdigkeiten langen die Chinesen im Gegensatz zu Taiwanesen kraeftig hin. Das war aber auch schon vor sieben Jahren nicht anders.

    Ich wuensche Dir auch eine wunderschoene Woche!

  3. hey Beef Noodle.. .dafür wird ich 10 euro hier bezahlen, wenns original ist 😉

  4. Und ich wuerde gerne 10 Euro zahlen, um die Speisekarten der Restaurants in der Naehe meines Bueros in Taipei auf die Breite der Auswahl in Shanghaier Garkuechen zu bringen.


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