Verfasst von: huangdi | 14. November 2008

Shanghai ahoi

In der kommenden Woche habe ich im Zuge einer Messe die Gelegenheit, nach vielen Jahren mal wieder Shanghai zu besuchen. Das ist insofern interessant, da ich in einem Zeitrahmen von über 22 Jahren schon mehrfach Eindrücke von dieser Riesenmetropole sammeln durfte.

Meinen ersten Aufenthalt in Shanghai erlebte ich Mitten in den Achtzigern als kleiner Knirps. Zwar hatte sich Shanghai schon seit längerem dem Westen geöffnet, aber die Stadt war noch weit davon entfernt als Wolkenkratzer-Metropole zu gelten. Die Stadt war geprägt von Flachbauten entlang breiter, staubiger Straßen und engen Gässchen, die mit draußen rausgehängter Wäsche die einzigen Farbtupfer erhielten. Die Menschen waren zu großen Teilen noch in Mao-blauer Kleidung unterwegs und die größte Aktivität verzeichneten die überall anzutreffenden buntgemischten Straßenmärkte. Einzig und allein der Bund, die Flussuferpromenade im Zentrum Shanghais, verstreute dabei mit seinen Gebäuden aus den 20er, 30er Jahren Großstadtflair. Der dortige Blick auf Pudong bot dabei flache Wellblech-Fabriken und Kräne – kein schöner Anblick. Die Straßen wurden eindeutig von Radfahrern bestimmt, die mit knackvollen Bussen und dreckigen LKWs um die Vorherrschaft kämpften.

Diese Eindrücke, die ich als kleiner Junge zwei Jahre sammeln konnte, waren mir natürlich noch voll bewusst, als ich Anfang dieses Jahrtausends zu meinem zweiten China-Aufenthalt aufbrach. Zwar verschlug es mich diesmal für ein Jahr nach Hangzhou, allerdings ist diese Millionenstadt nur kaum zwei Stunden von Shanghai entfernt. Schon mit dem ersten von einigen Besuchen in Shanghai verschlug es mir die Sprache: Die Stadt war nicht wiederzuerkennen. Eine Ansammlung von riesigen Hochhäusern mit teilweiser waghalsiger Architektur, ein komplexes Netz von Highways auf mehreren Ebenen und mit westlichen Ketten durchzogene Einkaufsviertel haben erfolgreich die Erinnerung an das Shanghai der Achtziger ausgelöscht. Radfahrer waren kaum noch zu sehen, dafür zog sich ein zäher Strom an Taxis und anderen PKWs durch die Straßen der Innenstadt. Pudong wurde von einigen der höchsten Gebäude der Welt in Beschlag genommen, obwohl sich dort auch damals noch einige Lücken zeigten. Innerhalb von knapp 15 Jahren hatte sich Shanghai nun auch äußerlich zu einer Weltmetropole gewandelt.

Seit dem letzten Besuch sind nun auch schon wieder mehr als sieben Jahre vergangen. Nach Auskunft vieler Freunde hat sich Shanghai seitdem wieder komplett verändert. Allein schon nach dem Blick auf das unglaublich dichte U-Bahn-Netz mit mittlerweile neun Linien wäre alles andere für mich auch eine Überraschung. Ich bin gespannt und hoffe, dass ich trotz des engen Terminplans etwas Zeit für das Erleben des heutigen Shanghais freischaufeln kann.

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