Verfasst von: huangdi | 11. November 2008

Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull vs. The Mummy: Tomb of the Dragon Emperor

Wegen des schlechten Wetters auf der Insel hat sich am Wochenende die Gelegenheit geboten, gleich zwei klassische Abenteuerfilme und dabei auch gleichzeitig zwei Fortsetzungen recht populärer Filmreihen zu sehen. Und als wäre das nicht genug, breche ich mit der Länge des Titels dieses Beitrags gleichzeitig auch einen Rekord, der hoffentlich langen Bestand in meinem Blog hat.

Die Grundideen der beiden Filme unterscheiden sich nicht großartig voneinander. Es geht um Artefakte, alte Flüche, das Streben von Bösewichtern nach Weltherrschaft, das ganze untermalt mit einigen historischen Mythen und Fakten, die aber zum Wohle des Filmes zurechtgebogen werden. Ein mehr (Mumie) oder weniger (Indy) großer Schuss an Fantasy erlaubt dann auch den Effektespezialisten ihr Können zu zeigen. So weit nichts Neues für die beiden Filmreihen.

Doch auch abseits der für heutige Abenteuerfilme üblichen Zutaten finden sich weitere Parallelen. Ein gemischtgeschlechtliches Heldenpaar mit kleineren Zwistigkeiten untereinander, die mitten im größten Getümmel aber ausgeräumt werden können sowie ein halbstarker Sohnemann, der von Seiten der Eltern ungewollt in die Fußstapfen des Vaters tritt. In punkto Familienzwist gewinnt dann auch deutlich Indy 4, da der Sohn besser besetzt ist und die innerfamiläre Atmosphäre einfach glaubhafter ist. Die Mumie hat dagegen mit einem eher unsympathischen Jungdarsteller zu kämpfen und leidet unter der Umbesetzung der weiblichen Hauptdarstellerin, die in den ersten beiden Teilen so hinreißend von Rachel Weisz gespielt wurde. Überhaupt fällt in beiden Filmen ein leichtes Overacting der Mütter auf, vielleicht aber auch, weil ihnen das Drehbuch ansonsten kaum Raum gönnt.

Den ersten Vorsprung verliert Indy aber wieder mit seinem ermüdendem Aufbau. Der Film scheint eine Aneinanderreihung von Verfolgungsjagden zu sein, die unglaublich viel Raum im Film einnehmen. Die sind zwar allesamt rasant inszeniert, aber ermüden aufgrund ihrer Länge und ihrer Häufigkeit recht schnell. Zwar gibt es auch bei der Mumie Verfolgungsjagden, aber die sind deutlich kürzer und auch origineller. So reitet am Anfang des Films ein komplett eisernes Gespann mit Streitwagen durch Shanghai – eine Ausgangssituation, die von dem Film tricktechnisch elegant ausgenutzt wird. Insgesamt stehen die Tricks bei der jüngeren Filmreihe im Vordergrund: Untotenarmeen, ein tönerner Kaiser, ein Drache, Yetis und vieles mehr sind zwar meist nicht unbedingt originell, wenn man die Vorgänger kennt, aber immer noch unterhaltsam. Indy 4 enthält sich traditionsgemäß diesem Kreaturenkabinett und gleicht dies durch eher naturverbundene Fallen und spektakuläre Wasserfahrten aus. Insgesamt hat mir die Action aber bei der Mumie besser gefallen.

Auslöser dieser Action sind natürlich meist die Bösewichter, wobei bei beiden Reihen ein Wechsel zu verzeichnen ist. So ist zum einen die Mumie erstmals nicht die ägyptische der ersten beiden Teile, sondern eine chinesische in Form von Jet Li als Qin Shihuangdi, zum anderen werden bei Indy die üblichen Nazis durch die Russen ersetzt. Nicht, dass dieser Wechsel irgendetwas an der Wahl der Mittel ändern würde. Während die recht blasse Cate Blanchett als Russin eher zu bodenständigem Waffenarsenal greift, sind es bei dem alten Kaiser eher die Naturgewalten, die den Helden zusetzen. Dabei agiert Jet Li gewohnt hölzern, was in diesem Fall (er läuft ja einen großen Teil des Films als Tonfigur herum) mal richtig passt. Insgesamt also ein recht deutlicher Sieg für die Mumie, auch wenn keiner der beiden Bösewichte in die Filmgeschichte eingehen wird.

Im Vorfeld war ich nach den Filmkritiken von einem eindeutigen Sieg für Indy ausgegangen, aber um ehrlich zu sein, fühlte ich mich vom dritten Mumie-Teil einen Tacken besser unterhalten. Zwar gab es in beiden Filmen eine Überdosis Kampf und Action, aber vor allem in punkto Humor haben mich beide Filme enttäuscht, gerade im Vergleich zum Indy-Vorgänger und dem ersten Teil der Mumie. Alles wirkte etwas reißbrettartig und ich hatte das Gefühl, als würde bei beiden Filmen etwas zu sehr aus dem Vollen geschöpft werden.

Zu meiner Überraschung also ein sehr knappes Rennen zwischen zwei recht durchschnittlichen Filmen, was dann wahrscheinlich das bei der Mumie im Flugzeug mitreisende Rind (warum eigentlich?), dem die Turbulenzen der Landung auf die drei Mägen schlagen, entschieden hat.

IMDB 1

IMDB 2

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Responses

  1. Ein wahrlich interessanter Vergleich. Ich fand den aktuellen Indy – Nostalgiebonus sei Dank – jetzt nicht so schlecht, kenne allerdings den dritten Mumie-Teil auch nicht. War aber amüsant zu lesen! 🙂

  2. Der Nostalgie-Bonus faellt bei mir fuer Indy etwas geringer aus als fuer Dich, trotzdem haben mich die Filme in meiner Jugend auch begeistert.

    Beim neuesten Teil bin ich vor allen Dingen deswegen enttaeuscht, weil so viele Jahre Vorbereitung und soviel Manpower hinter dem Film steckt und am Ende trotzdem nichts Herausragendes daraus geworden ist.

    Vor allem das Drehbuch erschien mir ziemlich matt, aber anscheinend haben da wieder zu viele Koeche den Brei verdorben.

    Vielleicht kommst Du ja auch mal dazu, den dritten Teil der Mumie zu sehen. Bin auf alle Faelle gespannt, was ein eingefleischter Indy-Fan dazu sagt.

  3. […] Menge neuer Abenteuerfilme hat uns das Jahr 2008 beschert. Während “The Mummy: Tomb of the Dragon Emperor” den schon schwächeren zweiten Teil der Mumien-Trilogie deutlich unterbot, enttäuschte vor […]


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