Verfasst von: huangdi | 14. Oktober 2008

Sommer vorm Balkon

Nach langer Zeit kam ich mal wieder in den Genuss eines deutschen Films. Deutsche Filme genießen in Taiwan übrigens schon seit Jahren einen guten Ruf. In fast jedem DVD-Laden gibt es zumindest eine kleine Ecke mit deutschen Filmen vom Gespann Kinski/Herzog bis zu Filmen neueren Datums. Gerade die Oscar-Gewinner der letzten Jahre, besonders „Das Leben der Anderen“, haben diesen Ruf untermauert.

„Sommer vorm Balkon“ hat es auch nach Taiwan geschafft, aber wahrscheinlich wird er nicht ganz so viele Jahre in den Regalen überdauern wie viele andere deutsche Filme. Dafür ist er zu unspektakulär und, im positiven Sinne, zu deutsch. Der Film erzählt in entspannter Weise vom Alltag zweier Frauen in Berlin. Die eine ist arbeitslos, allein erziehende Mutter, die andere Altenpflegerin. Beide verbindet eine intensive Freundschaft und die Sehnsucht nach dem Richtigen für ihr Leben. Trotz angeschnittener Probleme wie Scheidung, Alkoholsucht und versuchter Vergewaltigung verliert der Film nie seinen Rhythmus. Leiser, bisweilen skurriler Humor, tiefe Sympathie mit beiden Hauptdarstellerinnen und trotz aller Probleme die Lust am Leben bestimmen das Geschehen.

Der Film lebt von seinen Figuren, die teilweise erfreulich gegen den Strich gezeichnet werden. Manchmal scheint das Handeln der Charaktere wenig nachvollziehbar, aber wer agiert schon immer rational im Leben, gerade wenn es um Liebe geht. Am Ende des Sommers haben einige Ereignisse die beiden Heldinnen zwar kräftig an den Rand, aber nicht aus der Bahn geworfen. Das Leben geht weiter, Menschen ändern sich nicht oder nicht offensichtlich.

Der Film lässt den Zuschauer 105 Minuten einen Sommer am Prenzlauer Berg erleben, ohne dass man das Gefühl hat einen Film zu sehen, sondern am dortigen Leben teilzuhaben. Eine erstaunliche Leistung und eine positive Überraschung.

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Responses

  1. Hi!
    Der Film hoert sich ja interessant an, und das mit den deutschen Filmen in Taiwan habe ich mir schon gedacht!
    Vielleicht hast du ja ? Du bist jaschon viel laenger in Taiwan als ich.
    Meld dich einfach, kennst ja meinen Blog!
    Leo

  2. dabei kommt doch im Film keine verklärte Romantik vor…ich dachte das mögen die Taiwanesen am liebsten!

    ♥ Bonafilia

  3. Ich habe den Film gemeinsam mit Taiwanesen gesehen. Deren Reaktionen reichten von ratlos bis unzufrieden. Sie fanden die Handlungen der Akteure wenig nachvollziehbar (unter anderem die Nebenhandlung des kleinen Sohnes, der das Maedchen beeindrucken will) und waren frustriert, dass der Film einfach so ausklingt. Zudem fanden sie den maennlichen Hauptdarsteller furchtbar unattraktiv und somit wenig verstaendlich, was an ihm so begehrenswert ist.

    Der leise Humor, auch untermalt von alten deutschen Schlagern oder einfach nur der Innendekoration der Wohnungen, verleitete bei der Sichtung nur mich zum gelegentlichen Lachen. Einen festen Platz im Herzen der taiwanesischen Zuschauer wird dieser Film wohl eher nicht erobern. Dafuer aber in meinem.


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