Verfasst von: huangdi | 24. September 2008

Handbetrieb

Der Ampelbetrieb in Taipei ist gut durchorganisiert. So geben für Fußgänger blinkende grüne Männchen oder gar ein Countdown den Takt vor, um eine Straße sicher zu überqueren. Dabei sollte man den rettenden gegenüberliegenden Rand auch schleunigst erreichen, da ein Rot auf der Fußgängerampel gleichzeitig auch wirklich das Losfahren der Autos bedeutet. Aufpassen sollte der Fußgänger auch bei einbiegenden Autos, die sich gerne mal gewagt knapp vor einem den Weg bahnen wollen.

So weit, so gewohnt. Hat man die wenigen Regeln erstmal beherzigt, steht sicheren Straßenüberquerungen nichts mehr im Weg. Wenn es da mal nicht diese tückischen Ausnahmen von diesen Automatismen gäbe. Zu Verkehrs-Stoßzeiten greifen gerne einmal Verkehrspolizisten manuell in das Geschehen ein. Auch wenn ich ihren erstaunlich energischen Körpereinsatz auf stark befahrenen Kreuzungen zur Regelung des Verkehrs Tag für Tag bewundere, so sorgen sie bewusst und unbewusst immer mal wieder für Frust, Angst und Lebensgefahr, indem sie die Ampelanlage per Hand betreiben.

Der Frust ist das geringste Übel. Wenn man sich einer Kreuzung in gemächlichem Tempo nähert, in dem Wissen, dass der Countdown über der Fußgängerampel noch eine hohe zweistellige Zahl anzeigt und diese dann urplötzlich unvermittelt auf Rot umspringt, wäre das natürlich überall auf der Welt frustrierend. Man muss allerdings hinzufügen, dass die Ampelschaltungen in Taipei teilweise sehr lang sind und ein solcher Zwischenfall gerne mal gut über zwei Minuten kosten kann.

Schlimmer ist das Erlebnis allerdings, wenn man sich gemeinsam mit einigen Leidensgenossen in eben diesem Moment mitten auf der breiten Straße befindet. Für einige der Verkehrshelfer scheinen Fußgänger die geringste Priorität zu besitzen und deren Sicherheit wird einem beschleunigten Fortkommen des motorisierten Verkehrs geopfert. Ohne mit der Wimper zu zucken wird dann der Schalter manuell umgelegt. Rot für mich, grün für Autos, Busse, Lkws und den Schwarm wütender Motorroller. Begleitet von einem wilden Hupkonzert rettet sich dann jeder der Fußgänger zum Gehweg auf der anderen Seite – der kleine, kostenlose Adrenalinschuss für zwischendurch.

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Responses

  1. Gibt es in Taipei auch solche Kreuzungen wie in Japan, die man diagonal überqueren muss/kann. Also mit Zebrastreifen querfeldein?

  2. Ja, aber ich kenne nur eine: Vor dem Yuanshan-Stadion, nördlich vom Hauptbahnhof Taipei. Seltsames Patent, es können dann ja gar keine Autos fahren…

  3. Ich kenne eine ganze Menge Diagonal-Ampeln mehr. In der Naehe des 101 gibt es mehrere, auch vor Schulen und Parks werden diese ganz gerne eingerichtet.

    Viele von denen sind dann aber auch nur zu Stosszeiten auf Diagonalbetrieb geschaltet. Bei vielen Fussgaengern ist ein Zebrastreifen querfeldein auch keine schlechte Sache, da die Auto-Abbieger sich sonst teilweise ruecksichtslos ihren Weg bahnen.

  4. Vor einem der Sogo-Kaufhäuser gibt es auch so einen Übergang, der abends auf „diagonal“ steht. Bei der Breite der Hauptverkehrsstraße muss man sich gefühlt immer wahnsinnig beeilen, immerhin überquert man ca. 6 Fahrspuren, und das nicht einmal in kürzester Linie.

    Gibt es das in Deutschland eigentlich auch?


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