Verfasst von: huangdi | 23. September 2008

Zodiac

David Fincher ist ein Meister seines Faches, wenn es darum geht bedrohliche Atmosphäre zu schaffen. Filme wie „Sieben“, „Fight Club“ oder „Panic Room“ verdichteten die Spannung immer mehr, um schließlich in einem furiosen Finale zu gipfeln. „Zodiac“ ist anders und er stellt die Sehgewohnheiten der Zuschauer auf eine harte Probe.

Basierend auf einem wahren Fall rekonstruiert der Film die Geschehnisse rund um einen der bekanntesten Serienmörder aller Zeiten minutiös aus dem Blickwinkel von drei Männern, einem Polizisten und zwei Journalisten. Die bekannte Handschrift Finchers spürt man vor allem in den Szenen am Anfang des Films, wo man Zeuge der Gräueltaten von „Zodiac“ wird. Fast schon nüchtern gefilmt, dafür umso bedrohlicher macht dieser Teil des Films deutlich, wieso dieser Mann es zeitweise schaffte, ein ganzes Land in Massenpanik zu versetzen. Die Undurchschaubarkeit der Motive und die nicht nachvollziehbare Auswahl der Opfer in Kombination mit der Gesichtslosigkeit des Täters erschaffen ein kaum greifbares Entsetzen.

Jedoch wendet sich Fincher schnell dem ihm zentraler erscheinenden Aspekt des Einflusses dieses Täters auf das Leben der drei Hauptdarsteller zu. Während der Polizist sich während der erfolglosen Ermittlungsarbeiten zunehmend aufreibt, ein Journalist an dem Fall zerbricht, lässt der dritte Protagonist über ein Dutzend Jahre nicht locker und recherchiert in zunehmend manischer werdenden Zustand jeden der vielen Fakten der Gewalttaten. Während dieses Prozesses fällt seine Familie auseinander und Zodiac wird so zunehmend zu seinem Lebensmittelpunkt.

Dies zu beobachten war mich zermürbend. Die Hilflosigkeit der Ermittler, das Zerbrechen der Charaktere und die vielen falschen Fährten werden so detailliert geschildert, dass es einen quält und der Film stellenweise ein einziger Teufelskreis ist. Nur wenige Szenen, unter anderem das Verhör eines stark Tatverdächtigen, lassen im Verlauf des Filmes wieder die dichte Spannung aufleben, die am Anfang so gekonnt erschaffen wurde.

Ich kann dem Film handwerklich nichts vorwerfen. Die Schauspieler sind fantastisch, der Zeitgeist wirkt völlig mühelos authentisch, zudem ist die Geschichte auch sehr elegant, manchmal fast schon zu raffiniert inszeniert. Dennoch empfand ich den Film als zunehmend zäh, das Schicksal der drei Helden ließ mich letztendlich kalt. Ich kann die vielen guten Kritiken des Werks verstehen, aber es ist sicher kein Film, der jedem gefallen wird. Ich war enttäuscht, bin aber vielleicht auch mit falschen Erwartungen an diesen Film herangegangen.

IMDB

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