Verfasst von: huangdi | 20. August 2008

Lauftempo

Ostasiatische Metropolen werden in westlichen Medien ja gerne als dynamische, hektische und wuselige Moloche dargestellt, in der zu Tages- und Nachtzeiten keine Ruhe einkehrt. Taipei ist da sicher ein gemäßigteres Exemplar.

Die Stadt ist für asiatische Verhältnisse recht grün und zudem auf fast allen Seiten von dicht bewachsenen Bergen umgeben. so dass man nur selten das Gefühl hat in einer endlosen Betonwüste zu sein. Es gibt erstaunlich viele freie Flächen und gerade am Rand der Innenstadt ein paar wirklich hübsche Parks. Durch das gute U-Bahnsystem fährt es sich recht entspannt durch die Stadt, nur in öffentlichen Bussen steckt man in der Rush Hour naturgemäß im Stau fest. Alles in allem klingt das doch recht angenehm, oder?

Wenn da nicht Fußgänger-Kollegen wären. Das Lauftempo der meisten Taipeier ist absurd niedrig. Auch wenn man sich anpassen will und nicht unter Zeitdruck steht, muss man einfach früher oder später zu gewagten Überholmanövern ansetzen. Dabei sind allerdings einige Risikofaktoren zu nennen:

1. Regenschirme. Bei Sonne und Regen. Ab einer bestimmten Körpergröße (1,70m) befinden sich viele Exemplare auf Augenhöhe. Zudem werden sie gerne spontan aufgespannt. Unter anderem bei Dachlücken von einem halben Meter, auch bei leichtem Regen oder schwacher Sonne.

2. Fahrzeuge aus Seitengassen. Rücksicht oder vorausschauendes Fahren sind noch recht neue Begriffe für Taiwan, auch wenn schon eine positive Tendenz zu beobachten ist. Trotzdem kommen Autos und Motorroller aus Seitenstraßen und Parklücken hervorgeschossen, ohne dass der Fahrzeugführer vorher die Lage auf dem Fußweg überblickt.

3. Stehenbleiber. Die gibt es natürlich weltweit. Aber in Taipei scheinen sie regelmäßig Großkonferenzen abzuhalten. An Türen von Verkehrsmitteln, am Ende von Rolltreppen, in besonders engen Gängen oder einfach besonders spontan mitten im Weg.

Mittlerweile habe ich gelernt mein Lauftempo zu drosseln. Erst bei Ausschluss aller Gefahrenlagen wird überholt. Zurück in Deutschland werden mich wahrscheinlich die Neunzigjährigen mit links überrunden…

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Responses

  1. Aj, da werde ich wohl Probleme haben :-/ Ich bin immer so einer der sehr schnell geht, auch für Deutsche Verhältnisse. Ich werde mich den Taiwanesen wohl anpassen müssen xD

  2. Das wirst Du wohl muessen. Wenn Du viel mit Taiwanesen unterwegs bist, hast Du sowieso keine Wahl.

    Bei der derzeitigen Hitze (35 Grad im Schatten) hat das natuerlich auch seine Vorteile…

  3. Da bin ich aber froh, dass ich nicht der einzige bin, der das so wahrnimmt:
    http://taipeh.wordpress.com/2008/07/23/total-normal-oder/

    Ist schon komisch, wo doch sonst vieles hier so schnell passiert.

  4. Ja, das ist wirklich erstaunlich.

    Eine Steigerung der Kategorie „Stehenbleiber“ sind uebrigens die „Andeuter“, besonders in Bussen und U-Bahnen anzutreffen:

    Kurz vor der Haltestelle bewegt man sich zur Tuer des Verkehrsmittels, zeigt sich bereit zum Austeigen, neigt sich dann schon nach dem Halten Richtung Ausgang und …bleibt anschliessend mitten im Weg stehen.

    Leute dahinter sind von der ploetzlichen Umorientierung des Vordermanns ueberrascht, geraten in milde Panik und bahnen sich nur mit Umwegen und Draengeln den Weg nach draussen.

  5. […] Wetters regnet es nun in Taipei wieder regelmäßig. Dies erhöht die Gefahr drastisch, von Regenschirmen die Augen ausgestochen zu bekommen, dafür führt es die Temperatur allerdings auch wieder in […]


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