Verfasst von: huangdi | 13. August 2008

Rambo

Wenn der Name des Titelhelden einer Filmreihe Einzug in die Alltagssprache hält, dann ist dieser Titelheld sicher keine ambivalente, vielschichtige Figur. In der Filmwelt gibt es wohl kaum Charaktere, die man sofort mit einer solchen Eindimensionalität in Verbindung bringt wie Rambo. Dabei startete John Rambo bei seinem Debüt als gebrochener Kriegsheimkehrer, dem seine Landsmänner so zusetzen, dass er jegliche Zurückhaltung ablegt und sich von der Gesellschaft verabschiedet. Natürlich nicht ohne eine Blutspur zu hinterlassen, die der Figur und ihrem Namen den Stempel aufdrückt.

Der Absturz der Filmreihe in den Achtzigern durch die revisionistischen und tumben Nachfolger erhöhte zwar die Popularität, aber nicht gerade den Ruf von Rambo. Sie bereiteten den Weg für zahlreiche inhaltlich gleichwertige, aber handwerklich um einiges schlechtere Imitationen, die bis heute wertvolle Plätze in den Regalen der Videotheken oder im Nachtprogramm der Privaten verschwenden. Was wird zwanzig Jahre nach seinem letzten Säuberungsfeldzug in Afghanistan Rambo nun in Birma anstellen?

Der Film verschwendet nicht viel Zeit mit Grauschattierungen, sondern zeigt gleich zu Beginn das sadistische Militärregime Birmas, das seine Bevölkerung terrorisiert und ohne jegliches Zögern quält und tötet. Nach einer kurzen Verschnaufpause, in der uns das karge Landleben Rambos im Nachbarland gezeigt wird, geht es auch schon wieder ans Eingemachte. Zur Rettung eines Teams von Entwicklungshelfern wird eine Truppe von überwiegend unmotivierten Söldnern nach Birma geschickt, um alles wieder zu richten, ohne groß Staub aufzuwirbeln. Als sich das als Illusion herausstellt, führt ihnen Rambo vor, auf welche Weise er das Problem zu lösen gedenkt. Wobei Pfeil und Bogen nur einen Vorgeschmack auf das später vorgeführte Waffenarsenal liefert.

Der Grad der Gewalt erreicht mit diesem Film den bisherigen Höhepunkt der Reihe. Der Film bewegt sich über die bisherige Grenze der Gewaltdarstellung hinweg. Sicher wird dieses Mittel auch die selbe Klientel wie bei den beiden Vorgängern erreichen und diese mit einer Steigerung erfreuen. Dem weitaus größeren Teil des Publikums wird diese Gewalt aber erschauern lassen. Ein kaum erträgliches Massaker der Militärs an einem ganzen Dorf macht das Grauen fast greifbar. Ein bedrückendes Gefühl der Ohnmacht ist die Folge. Die nun folgende Dramaturgie sprengt sicher nicht den Rahmen des Action-Genres, aber die gezeigte rohe Gewalt ist ein Trip in menschliche Abgründe. Das selbst der anfangs pazifistische Leider des Entwicklungshelferteams alle seine moralischen Grundsätze fallen lässt ist sicher plakativ, aber weit entfernt von den naiven Gewaltorgien in Vietnam und Afghanistan.

Insofern ist Rambo 4 ein in seinen Grenzen erstaunlicher Film, der gekonnt mit den Erwartungen der Zuschauer spielt. Die Eindimensionalität des Feindbilds ist sicher der größte Kritikpunkt des Films, aber aus Sicht der Opfer sicher konsequent. Das gewalttätige Geschehen auf der Leinwand wird nicht ironisch gebrochen, es wäre auch unangebracht. Natürlich ist der Film nicht ohne Schwächen. Die ruhigeren Szenen des Films wirken meist etwas unbeholfen, eine tiefere Charakterisierung der Protagonisten bleibt aus. Auch scheint die Zielsicherheit beim Militär Birmas keine Priorität zu genießen. Dennoch landet John Rambo wieder in den Gewässern seines Debüts, womit nach den unterirdischen Vorgängern kaum zu rechnen war.

http://www.imdb.com/title/tt0462499/

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