Verfasst von: huangdi | 13. August 2008

Der jungfräuliche Einstieg

Mich fasziniert das Genre der Strategie-Rollenspiele. Von Final Fantasy Tactics (FFT) über Disgea bis hin zu Titeln wie Fire Emblem: Die Vorstellung, eine Heldentruppe zusammenzustellen, auszurüsten und zu entwickeln besitzt einen besonderen Reiz. Eine ähnliche Faszination strahlen gute Fußballmanager aus, sogar alte Klassiker wie Battle Isle und History Line nutzten ein Erfahrungspunktesystem im Strategiegenre, wenn auch häufig deutlich weniger komplex. Strategie-Rollenspiele heben sich von Ihren Geschwistern, den klassischen Rollenspielen, dadurch ab, dass Sie stark auf Schlachten, Taktik und Ausrüstung seiner Mannen konzentrieren. Sie müssen mit der Tiefe in diesen Bereichen das Fehlen von Rätseln, Quests und dem freien Erkunden einer Welt kompensieren. Zudem ist ein rundenbasiertes Kampfsystem Basis aller Strategie-Rollenspiele ist.

Ich muss zugeben, dass ich eine Menge dieser Titel begonnen habe, aber Jeanne D’Arc tatsächlich der erste Vertreter des Genres ist, in dem ich tatsächlich den Endkampf gesehen und gewonnen habe. Für Final Fantasy Tactics hatte ich damals nicht genügend Zeit (ich spiele aber derzeit das PSP-Remake), Disgae hat mich mit seiner Komplexität erschlagen und dem Zwang zum Grinden (stupides Aufleveln um weiterzukommen) vergrätzt und bei Fire Emblem hat der knackige Schwierigkeitsgrad und der unbarmherzige Speichermodus zu viele meiner Helden ableben lassen. Was also macht Jean D’Arc anders?

Zum einen ist es wunderschön. Die Welt erstrahlt in wunderschönen Farben auf dem Bildschirm der PSP, die Figuren sind detailliert und die Schlachtfelder sind liebevoll gestaltet. Auch die Soundkulisse fügt sich hervorragend in das Bild ein. Doch nicht nur die technische Seite des Spiels ist gelungen. Die Truppe, die sich im Laufe des Geschehens um Jeanne D’Arc sammelt, besteht aus interessanten Charakteren mit Wiedererkennungswert. Zwar kommen nicht alle Figuren so zur Geltung wie drei, vier der zentralen Helden, dennoch versprühen Sie genügend Charme. Die Handlung orientiert sich grob an den historischen Geschehnissen um Jean D’Arc, peppt die Geschichte aber mit einer kräftige Portion Fantasy auf. Dabei entsteht genügend Tiefe, um die Spannung trotz vieler Schlachten aufrecht zu erhalten. Die Geschichte verzettelt sich nicht wie einige der anderen Genrevertretern in zahlreichen Handlungssträngen, so dass letztendlich rein erzählerisch eine runde Sache rauskommt. Doch wie verhält es sich mit dem spielerischen Aspekt?

Der Einstieg gestaltet sich übersichtlich. Die Schlachtfelder sind nicht allzu groß (allerdings immer noch größer als bei FFT), die Gegnerzahl anfangs auch klein. Auch die eigene Truppe beschränkt sich zunächst auf zwei bis drei Helden, wächst aber im Verlauf recht schnell. Die Steuerung ist selbsterklärend. Das Platzieren der Figuren nebeneinander verleiht bei der Verteidigung einen Bonus, ebenso wie der Angriff von hinten. Nach einem erfolgreichen physischen Angriff auf einen Gegner, bildet sich hinter diesem ein spezielles Feld, von dem aus mit der nächsten eigenen Figur ein besonders mächtige Attacke gelandet werden kann. Die meisten Figuren kontern Angriffe, so dass jeder Zug gut überlegt werden sollte. Fünf Figuren im Spiel haben neben Kampf- und Magiekenntnissen die Fähigkeit zu transformieren. Diese im Kampf jeweils einmal einsetzbare Eigenschaft sorgt neben erhöhten Charakterwerten auch für besondere Zaubersprüche. Noch wichtiger ist aber die Fähigkeit, nach dem erfolgreichen Terminieren eines Gegners einen zusätzlichen Zug zu erhalten. Dieser taktische Kniff sorgt dafür, dass mit diesem Vorgehen ganze Schlachtfelder von einer Person gereinigt werden können, wenn man das Vorgehen gut mit den restlichen Mitgliedern der Heldengruppe abstimmt. Trotz dieser mächtigen Fähigkeit sind diese speziellen Helden aber nicht übermächtig. Überhaupt passt die Spielbalance. Der moderate Schwierigkeitsgrad war genau richtig für mich. Nur wenige Schlachten musste ich erneut angehen und dann meist deswegen, weil ich zu undurchdacht vorgegangen war oder das Zeitlimit unterschätzt hatte.

Alles in allem ist Jean D’Arc ein hervorragender Einstieg in das Genre, noch dazu ein überaus unterhaltsamer. Einige kleine Schwächen möchte ich aber nicht verschweigen. Es kommt in Schlachten vor, dass man stärker ist als es das geskriptete Szenario vorsieht und man statt die Flucht zu ergreifen auch die als übermächtig titulierten Gegner besiegt. Das Programm erkennt dies nicht und spult weiterhin sein Programm ab. Es kann also sein, dass man an einem solchen Szenario scheitert. So läuft ein Zeitlimit bei einer Flucht weiter, obwohl man all seine Verfolger schon besiegt hat. Zudem könnte die Vielfalt der Waffen und Rüstungen größer sein, was aber mit dem riesigen Arsenal an Zaubersprüchen, die man quasi anlegen kann, aufgewogen wird. Diese als Kristalle vorliegenden Sprüche und Eigenschaftsverbesserungen kann man übrigens schon recht früh im Spiel mixen und verschmelzen, womit neue oder stärkere Kristalle entstehen – ein zusätzlicher Motivationsfaktor.

Mein Fazit sieht also nahezu rundum positiv aus. Ein Strategie-Rollenspiel, das sich sehr flott spielt, einen moderaten Schwierigkeitsgrad aufweist und darüber hinaus auch noch sehr ansprechend präsentiert wird. Mit dieser Kombination steht Jeanne D’Arc wohl allein auf weiter Flur und sollte somit bei jedem Genre-Interessierten im UMD-Schacht landen.

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